Vom Stuhl bis zur Stadtplanung: Seine gestalterischen Aufgaben sah der 1899 in Holland geborene Mart Stam stets in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang. Mit dieser Haltung zählt er zu den geistigen Vätern der Moderne, die im Bauhaus Architektur- und Design-Geschichte schrieben. Ihr Antrieb waren eine neue Sachlichkeit der Gestaltung und eine an den Bedürfnissen der Menschen orientierte, sozial zuträgliche Welt.

Ein technischer Zeichner entdeckt das Neue Bauen
Nachdem er, ausgestattet mit einem Diplom als technischer Zeichner, einige Jahre in einem Rotterdamer Architekturbüro gearbeitet hatte, ging Stam 1922 nach Berlin. Dort lernte er modern gesinnte Architekten wie Max Taut und El Lissitzky kennen, die ein visionäres Verständnis von Architektur vertraten. Sie wollten als Architekten an der Gesellschaft der Zukunft mitbauen. In den avantgardistischen Fachmagazinen der Zeit veröffentlichte Mart Stam die Prinzipien seines Neuen Bauens. 

Schon bald wurden Gleichgesinnte auf ihn aufmerksam. 1926 lud ihn Mies van der Rohe dazu ein, an der Bauausstellung des Deutschen Werkbundes am Stuttgarter Weißenhof teilzunehmen. Dort konnte er mit seinem Reihenhaus demonstrieren, wie sich seine sozialethischen Prinzipien des Neuen Bauens konkret in einer "konstruktiv-notwendigen" Architektur niederschlagen. Im Innenraum zeigte er einen frei schwingenden Stuhl aus Gasrohren, der in einer von Marcel Breuer weiterentwickelten Form schließlich zum Klassiker wurde: der S 43, hergestellt von Thonet.

Seine Leidenschaft für das soziale Bauen brachte ihm renommierte Aufträge wie die Hellerhofsiedlung in Frankfurt a. M. ein. In den Zwanzigerjahren beteiligte er sich mit seinen Ideen eines menschlichen Funktionalismus in der UDSSR an Stadtplanungen für Magnitogorsk, Makijiwka und Orsk. 1948 siedelte er in das Gebiet der späteren DDR über, wo er sich mit seinen Ideen aber wenig durchsetzen konnte. 1953 kehrte er nach Amsterdam zurück und arbeitete zuerst in einem befreundeten Büro, dann selbstständig als Architekt. 

S 33 und S 43: Thonet pflegt das Erbe des Design-Künstlers
Seit Jahrzehnten liefert Thonet die Freischwinger S 33 und S 43 von Mart Stam in hoher Qualität und in immer neuen Varianten. Neuerdings ist er sogar als Outdoor-Version mit wetterfesten Bezügen im Einsatz. Der S 43 ist gepolstert, stapelbar und mit Armlehnen erhältlich. Es gibt ihn auch in einer besonders extravaganten Materialkombination mit Holzteilen und Rohrgeflecht als S 32 und S 64. Der S 33 heißt mit Armlehnen S 34 und passt wie seine Geschwisterstühle der S-43-Reihe perfekt zu den weiteren, überwiegend von Marcel Breuer entwickelten Stahlrohr-Möbeln: vom Schreibtisch, über den Frühstückstisch bis zum erst 2014 von Randolf Schott gestalteten Schreibsekretär S 1200. So brachte Mart Stam mit seiner Idee, Stahlrohr als Grundlage moderner, funktionaler Möbel zu wählen, eine ganze Produktfamilie auf den Weg. Seine Inspiration ist bis zum heutigen Tage fruchtbar.