Flexibel, kommunikativ, individuell — Büros von heute müssen vielfältige Ansprüche erfüllen
Was bedeutet modernes Arbeiten? Was heißt das für die Gestaltung der Arbeitsräume? Und wie sieht das in der Praxis aus? 15 Architekten aus Berlin, München, Leipzig und Wien sind diesen Fragen auf den Grund gegangen. Auf Initiative des Einrichtungsspezialisten designfunktion in Berlin und des Designherstellers Vitra begab sich die Gruppe auf die ArchitekTour nach Wien. Dort besichtigten sie zwei herausragende Beispiele für moderne Arbeitswelten: das Mammut-Projekt des Erste-Bank-Campus und die „New Way of Work“-Arbeitsräume von Microsoft Wien. 

Die erste transparente Bank: Erste Bank, Wien
Rund 300 Millionen Euro, sechs Gebäudekerne, ca. 4.500 Arbeitsplätze: Seit Anfang 2016 steht der hochmoderne, voll verglaste Campus der Erste Bank nahe Wiens Zentrum. Mit dem Bauvorhaben wollte die Geschäftsleitung alle in Wien ansässigen zentralen Mitarbeiter der Bank und ihrer Tochtergesellschaften an einem Ort vereinen — einem Ort, an dem sie sich wohlfühlen, produktiv sein können und wo die Unternehmenswerte erlebbar sind. Bereits durch die Architektur der Gebäude sind die Arbeitsplätze ausnahmslos hell und einladend. Im Inneren sorgen offene Räume, kombiniert mit Rückzugsmöglichkeiten und beweglichen Raumtrennern, für eine flexible Arbeitsplatzgestaltung. Sie passt sich den Nutzern an — egal, ob ein Team-Treffen geplant ist, eine Groß-Konferenz, Rückzug für vertrauliche Gespräche oder Ruhe für konzentriertes Arbeiten benötigt wird. „Jeder einzelne Arbeitsschritt und alle Prozesse des Unternehmens wurden hinterfragt und konsequent an das neue Konzept angepasst“, berichtet Teresa Gertke, designfunktion Berlin, vom Erste Campus in Wien. Peter Weiss, Projektleiter der Erste Group Bank AG, erläuterte vor Ort die Ideen des Konzepts. Mit dabei war auch Chris Middleton, CEO des Berliner Architektur-Büros Kinzo, welches das Interiordesign der Arbeitswelten entwickelt hatte. 

In den öffentlich zugänglichen Bereichen des Gebäudes gibt es Restaurants sowie einen Laden für den täglichen Bedarf und eine Reihe moderner Service-Angebote. Damit ist das Arbeits- und Freizeitleben am Campus in die attraktive Umgebung im neuen Quartier Belvedere sinnvoll integriert. Natürlich erfüllen Architektur und technische Ausstattung höchste Ansprüche an ein wirtschaftliches und energiesparendes Bürogebäude.

Wer braucht schon seinen eigenen Schreibtisch? Bei Microsoft niemand.
Das zweite große Highlight der Reise nach Wien waren die Arbeitsräume von Microsoft: Die Architekten on Tour erfuhren hier, was der Tech-Riese „New Way of Work“ nennt. Ohne festen Arbeitsplatz, mit Laptop und freier Arbeitszeit¬gestaltung: Bereits seit einigen Jahren lebt das Unternehmen eine freie Arbeitsphilosophie, die sich auch in den Räumlichkeiten widerspiegelt — sie hat sich über die Jahre bewährt. Da viele Mitarbeiter die meiste Zeit außer Haus oder auch im Gebäude unterwegs sind, haben die Gestalter die Einzel-Arbeitsplätze reduziert und im Gegenzug die Anzahl der Besprechungsräume verdreifacht. Diese sind für unterschiedliche Anforderungen und Funktionen gestaltet. Kleinere Work- und schalldichte Call-Räume ergänzen das Spektrum der Arbeitsbereiche. Mit der neuen Arbeitswelt hat Microsoft ein Umfeld für seine Mitarbeiter geschaffen, in dem sie produktiv und motiviert arbeiten und sich mit ihrem Unternehmen identifizieren. 

„Die Projektbeispiele, die wir in Wien besichtigt haben, bestätigen, was uns bei designfunktion bereits lange bewegt“, sagte Ralf Tiedtke, Geschäftsführer von designfunktion Berlin. „Nämlich dass herausragende Projekte nur entstehen können, wenn alle Planungsbeteiligten inkl. aller Entscheider an einem Strang ziehen.“ Denn durchdacht und einfühlsam geplant und gestaltet fördert die Umgebung reibungslose Arbeitsprozesse und die Produktivität der Mitarbeiter. Das macht die Arbeitsräume eines Unternehmens zu einem wichtigen Baustein für seinen Erfolg.