Er ist der Star der neuesten Klassiker-Aktion von designfunktion: der Adjustable Table E 1027. Der Beistelltisch, ein Entwurf von Eileen Gray aus dem Jahr 1927, ist weltweit ein Bestseller. Das oft kopierte, schlichte Möbelstück ist einer der begehrtesten Einrichtungsgegenstände des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Tisch steht exemplarisch für Eileen Grays gestalterischen Ansatz insgesamt: Er erfüllt alle Ansprüche an Schönheit, Funktionalität, Anpassungsfähigkeit und Ökonomie. Viele kennen ihn, ohne je etwas von der Designerin gehört zu haben. Daran erkennt man einen ikonischen Entwurf. ClassiCon stellt den beliebten Möbelklassiker der Moderne her.

Samir Ayoub, geschäftsführender Gesellschafter von designfunktion, und Oliver Holy, Inhaber und Geschäftsführer von ClassiCon, nahmen die Klassiker-Serie von designfunktion zum Anlass für ein Gespräch. 

Vom 4. Oktober 2016 bis zum 13. Januar 2017 können Sie sich für das einmalige Angebot zum Adjustable Table E 1027 entscheiden. Hier finden Sie alle Informationen zum Angebot selbst, zum Adjustable Table und seiner Entstehungszeit, zu ClassiCon sowie Eileen Gray.

Samir Ayoub: Herr Holy, keiner kennt die Geschichte dieses Tisches so wie Sie. Was macht den Adjustable Table E 1027 zu so einem begehrten Sammlerstück?

Oliver Holy: Dieser Tisch ist einfach genial – ein formal schöner Entwurf, der sich in ganz unterschiedliche Wohnwelten einfügt und darüber hinaus einfach und praktisch im Gebrauch ist. Auf den ersten Blick wirkt der Tisch recht simpel, doch bei genauerer Betrachtung entpuppt er sich als ausgeklügelter Gegenstand: Mithilfe eines Teleskop-Beines ist er höhenverstellbar. Ein Metallstift fixiert die Tischplatte in der gewünschten Höhe. Der halbkreisförmige Fuß ist aus Stahlrohr – diese einfache Konstruktion verleiht ihm Stabilität und Gleichgewicht, wobei die Anmutung von Leichtigkeit nicht verlorengeht. Eileen Gray scheute sich auch nicht, den Tisch mit einem funktionalen Griff auszustatten. So wie die Konstruktion mit Metallstift und Kette lädt auch der Griff förmlich dazu ein, ihn zu benutzen. Neben seiner Schönheit überzeugt dieses Möbel also durch seine vielseitige Praktikabilität.

S. A.: Und was, denken Sie, macht den Tisch als Entwurf in der Designgeschichte so besonders und seiner Zeit voraus?

O. H.: Der Tisch wurde aus Stahlrohr gefertigt. Stahlrohrmöbel läuteten eine neue Ära ein, die das Ideal von Ehrlichkeit, Klarheit und funktionaler Ästhetik umsetzte und die Herstellung in Serie erleichterte. Der neue Werkstoff wurde auch von Le Corbusier, Mies van der Rohe, Marcel Breuer und Charlotte Perriand verwendet. Viele von Eileen Grays Stahlrohrdesigns gingen den Entwürfen ihrer großen Kollegen voraus. Sie hatte bereits 1925/26 mit diesem Material experimentiert, während Corbusier seine ersten Stahlrohrmöbel erst 1928 präsentierte.

S. A.: Worin unterscheidet sich Ihrer Meinung nach die Arbeit Eileen Grays von der anderer Designer der klassischen Moderne?

O. H.: Mehr als andere Gestalter besaß Eileen Gray ein Gespür dafür, sämtliche Funktionsebenen, die ein Möbelstück bieten kann, auszuschöpfen – seien sie praktischer, ästhetischer oder emotionaler Natur. Sie befürwortete die Ideen der Moderne, doch über die funktionale Ebene hinaus hatten ihre Möbel auch immer etwas Individuelles, Verspieltes. Ihrer Meinung nach vernachlässigten die theoretischen Forderungen der Moderne das Sinnliche. Alle Objekte Grays lassen sich den ständig wechselnden Haltungen des menschlichen Körpers anpassen. Komfort war das eine, wonach Eileen Gray strebte, Freiheit das andere. Das Wohnzimmer in ihrem Haus fungierte sowohl als Esszimmer als auch als Salon, ihr Schlaf- und Gästezimmer war zum Schlafen, Lesen und Schreiben da. Und so, wie ihre Zimmer verschiedenen Zwecken gleichzeitig dienten, galt das ebenso für ihre Möbel. Auch der Beistelltisch E 1027 kam diesem flexiblen System entgegen. Sein Fuß kann unter das Bett geschoben werden und so dient der Adjustable Table als Beistelltisch an Bett oder Sofa. Er lässt sich ebenso gut im Badezimmer, neben einem Esstisch oder als Stehtisch verwenden. Der Griff und sein vergleichsweise leichtes Gewicht erleichtern das Umstellen des Tisches.

S. A.: Was macht Eileen Gray als Entwerferin so besonders, wo liegt ihr Nimbus?

O. H.: Eileen Gray studierte zwar Kunst und erlernte über Jahre die japanische Lackkunst, war aber als Designerin und Architektin eine Autodidaktin. Sie gestaltete ihre Entwürfe unabhängig und nach ihren persönlichen Prinzipien. Auch wenn sie sich mit den Ideen der Moderne intensiv auseinandersetzte, schaffte sie es, eine völlig eigene, sehr viel sinnlichere und ihren persönlichen Bedürfnissen entsprechende Interpretation zu finden. Hartnäckig experimentierte sie lange mit Materialien, die ihr angenehmer in Haptik und Klang erschienen als die neuen, allzu technischen Stoffe, fand Lösungen durch Dreh- und Klappmechanismen, die ein Möbelstück mehreren Funktionen zuführten. Es gibt kein Detail, das nicht eine Geschichte erzählt und uns etwas über eine Frau erfahren lässt, die ihr Leben sehr zurückgezogen verbrachte.

Den Beistelltisch fertigte Eileen Gray für ihr erstes Haus in Roquebrune, Cap Martin in Südfrankreich an. Wie das Haus selbst wurde auch der Adjustable Table unter der codierten Bezeichnung E 1027 bekannt, einer Anspielung auf Grays Mentor und Freund, den Architekten Jean Badovici, und sie selbst. E steht für Eileen, 10 für den Buchstaben J, also Jean, 2 für B und 7 für G.

S. A.: 1976 gestattete Eileen Gray Zeev Aram in London, die Entwürfe ihrer Produkte in Serie aufzulegen. Durch eine Unterlizenz liegen heute die alleinigen Rechte zur Herstellung und den weltweiten Vertrieb des Adjustable Table E 1027 bei ClassiCon. Wir als Gestalter und Einrichter werden oft nach den unterschiedlichen Preisen und Qualitäten von diesem Tisch gefragt und mit der Konkurrenz durch Plagiate konfrontiert. Woher weiß ich, ob ich ein Original dieses Tisches erwerbe?

O. H.: Ja, leider wird der Designklassiker-Markt zunehmend von minderwertigen Plagiaten überschwemmt. Produktpiraterie hat sich mit der Verbreitung des Internets zu einer immer größeren Herausforderung für Hersteller und Kunden entwickelt. Kopisten stehlen die Patente und Schutzrechte beliebter und erfolgreicher Produkte und bauen diese unter Umgehung jeglicher Umweltauflagen nach. Dem Kunden wird ein Markenprodukt von höchster Qualität vorgegaukelt und wir als Hersteller leiden unter Raubkopien in mehrfacher Hinsicht: Neben dem erheblichen wirtschaftlichen Schaden sind wir auch mit Imageschäden konfrontiert. 

Zunächst erkenne ich ein Original ganz offensichtlich an der Signatur und der Seriennummer, die beide in das Gestell eingraviert sind. So kann jedes Stück als autorisierte Edition identifiziert werden. Schweißnähte, Verchromungen, Rohrabschlüsse sowie Gewichts- und Qualitätsunterschiede – es gibt viele Details, an denen unsaubere Herstellung schnell zu erkennen ist. Diese haben wir in einer Broschüre* für unsere Kunden zusammengestellt. Anhand von Bildern und Beschreibungen können Sie sich so vergewissern, ein Original des Adjustable Table E 1027 von Eileen Gray zu erwerben.

Dieser Tisch ist ein Sammlerstück und noch nach Jahrzehnten hochwertig und zeitgemäß. Durch seinen Werterhalt bleibt der originale Adjustable Table E 1027 auch für künftige Generationen ein begehrenswertes Anlageobjekt.

*Die Broschüre Adjustable Table E 1027, Original versus Plagiarism können Sie bei designfunktion hier einsehen.