Eherne Grenzen weichen auf: Die Gegensätze von Arbeit und Freizeit, geselligem Beisammensein und Privatsphäre, von Stadtleben und Landlust gehen in den beispielhaften Wohnensembles der Messe immer mehr ineinander über. Neben der strengen Sachlichkeit von Bauhaus-Klassikern ist niedlicher Kitsch erlaubt: Holzstühle mit ausgesägtem Herz oder die im Ausland beliebten Kuckucksuhren. Darin drückt sich eine Sehnsucht aus, Gegensätzliches zu Hause zu vereinen, um das Wohlgefühl komplett zu machen: stilsichere Reife plus heimelige Abschweifungen fürs Gemüt.

Die neue Gemütlichkeit: Samt, Seide und Plüsch
„Hygge“ ist der dänische Ausdruck für den wohligen Rückzug in die eigene Wohnung, die zwar urban anmuten darf, aber die Hektik der Stadt betont draußen hält. Hygge ist in. Das zeigt sich an den skandinavischen Möbeln, die Modernität und gemütliche Wohnlichkeit besonders angenehm verbinden. Daneben sind Materialien wieder gefragt, die seit den Achtzigern eher als kitschgefährdet galten. Die Polstermöbel erhalten samtene Bezüge, Seide und vor allem Plüsch, das Material, das wie kein zweites für kuschelige Weichheit und Anschmiegsamkeit steht. Eine große Auswahl an neuen Textilien, Teppichen und Tapeten zeigt, wie intensiv die Wohnräume wieder mit Stoffen gestaltet werden dürfen. 

Die Wohnung naturverbunden, die Möbel nachhaltig
Wer an Möbel und Natur denkt, dem fällt als Erstes Holz ein. Mehrere Kollektionen bringen die Vollholzmöbel wieder zurück in die Wohnungen, manche sogar bis ins Bad. Hier findet man Nussbaum, Eiche und Exotisches wie Eiche Venedig, deren Aussehen vom Schiffsbohrwurm gestaltet wurde – manches Holz lässt die Menschen eine lange Geschichte erahnen. Daneben sahen wir viel Leder, Schiefer und Kork, bei Tischen erstaunlich oft Glas. Die natürlichen Materialien spiegeln ein zunehmendes ökologisches Bewusstsein wieder. Außerdem lassen sie sich hervorragend mit Textilien im Raum kombinieren. Hier greifen zwei Trends harmonisch ineinander. Der Designer Sebastian Herkner zeigte auf besonders nachhaltige Weise in Kolumbien gefertigte Stühle aus geflochtenen Kunststoffschnüren und Stahl. Diese Flechttechnik gehört dort zur handwerklichen Tradition wie bei uns das Häkeln: Man lernt es in der Schule. Ames vertreibt die in der Karibik hergestellte Caribe-Möbelserie. So steht im gegenwärtigen Wohnzimmer Leder neben Plastik, Holz neben Stahl, Vintage-Look neben skandinavischer Moderne. Jedem, wie es beliebt.

Unsere Highlights

Grün und Rot in vielen Ausprägungen
Starke Kontraste von Rot und Grün fanden wir neben zarten Abstufungen im Bereich der Pastelltöne. Besonders die Textil-Hersteller setzen auf häufig dunkles Grün in verschiedenen Tönen, gerne auch sattes Grasgrün oder verhaltenere Mischtöne in Richtung Mintgrün oder Petrol. Als Dekokissen oder auf Siebziger-Jahre-Fliesen: Akzente setzen Hersteller heute gern in kräftigem Rot.

Trendy: kleine, feine Deko-Accessoires
Sauber aufgereiht mit einem Hang ins Niedliche: Dekorative Accessoires, kleine Vasen, Schalen, Kerzenhalter und andere Objekte geben den Wohnräume etwas Verspieltes, Aufgelockertes, ohne stillos zu wirken. Auch sie unterstreichen den Trend zur Gemütlichkeit. Es darf wieder wohnlich sein, aber immer im Zeichen der Individualität, nicht des Biedermeier. Davor bewahrt uns die allgegenwärtige Moderne des Interior Designs, besonders mit ihren Klassikern.

Gefragt wie nie: die Klassiker
Es hat uns als Klassiker-Spezialisten natürlich besonders gefreut und bestätigt, wie erfolgreich die Ikonen der Designgeschichte sich immer wieder Geltung verschaffen. Vitra, Thonet und Walter Knoll haben mit neuen Varianten ihrer Klassiker in den letzten Jahren eine echte Renaissance der Moderne vorbereitet. Die Fünfziger liegen wieder voll im Trend. Und in keiner gut eingerichteten Wohnung fehlt das ein oder andere Lieblingsstück der klassischen Moderne. Das macht einen Klassiker aus. Er behauptet sich spielend im bunt gemischten Wohnumfeld der Gegenwart. 

Sie wollen mehr erfahren über designfunktion, die Gestalter der Moderne und ihre Klassiker? Dann sehen Sie sich unsere Klassiker-Serie an: klassiker.designfunktion.de.

Interlübke überrascht mit Jorel
Auf dem attraktiven Stand von Interlübke fiel uns sofort ein brandneues Sideboard ins Auge: Jorel, gestaltet von Philipp Mainzer, dem Gründer von e15. Das elegant-schlichte Sideboard steht wie ein Kunstobjekt im Raum. Seine matte Oberfläche aus eloxiertem Aluminium fasziniert, natürlich sind auch andere Lacke und Materialien verfügbar. Was sofort auffällt, ist der kleine Überstand, der die Oberseite des Schränkchens umrahmt. Er macht es möglich, die Türen und Schubladen zu öffnen, ohne Fingerabdrücke zu hinterlassen. Wir sagen Jorel (ab Ende April 2017 auch in unserer Ausstellung in München, Leopoldstraße 121, zu sehen) ein langes Produktleben voraus.

Ein Spanier verneigt sich vor der Wiener Moderne
Der spanische Stardesigner und Künstler Jaime Hayon hat für die Wiener Manufaktur Wittmann mit „Workshop“ begonnen, eine Reihe faszinierender Möbelstücke zu entwerfen. Sie alle nehmen typische Stilelemente der Wiener Moderne auf: mediterran-barock, aber in strenger, moderner Form. Wir sind gespannt, wie die Serie weitergeht.

Barschränke sind zurück: zu Hause und im Chefbüro
In nahezu allen Filmen der Fünfziger- und Sechzigerjahre gibt es die Szene, in der ein Mann rauchend zur Kristallglaskaraffe greift, zwei Gläser aus dem Barschrank nimmt und Whiskey eingießt. Die heutigen Barschränke sind deutlich durch die Stilvorgaben der Moderne geprägt, aber es sind echte Barschränke. Jeder Haushalt, der etwas auf sich hält und Clark Gable oder Frank Sinatra schätzt, darf sich freuen. Wir zeigen Ihnen einige gelungene Beispiele:

Teaser-Foto: Koelnmesse / Thomas Klerx