Blumen, Palmen, Ahorne und immer wohnlichere Outdoor-Kollektionen: Der Salone Internazionale del Mobile befriedigt eine wachsende Natursehnsucht. Daneben steht ein Chic, der auf bewährte Distinktionsformen setzt: Gold, Messing, Samt und Marmor lassen die Boheme aufleben. Accessoires liegen weiterhin im Trend. Bei den Leuchten beobachten wir eine besondere verspielte Leichtigkeit. Dekoration im Stil vergangener Zeiten ist nach wie vor in, es werden auch Klassiker neu aufgelegt, wie der Alu Chair von Vitra in einer neuen Variante. Man sucht auf der einen Seite bewährten Charakter und eine gewisse Retro-Eleganz. Auf der anderen Seite sind Naturnähe und alltagstaugliche Behaglichkeit gefragt – drinnen wie draußen. 

Outdoor und die Sehnsucht nach Natur
Zwei Tendenzen lassen die Sehnsucht nach Natur auf der Mailänder Möbelmesse spürbar werden: der Zuwachs an Möbeln für draußen und die Bedeutung der Natur auf den Ständen. Die Auswahl an Outdoor-Möbeln nimmt spürbar zu, wobei die Kollektionen gleichzeitig wohnlicher werden. Paola Lenti zeigt in den Chiostri dell’Umanitaria einen sehr poetischen Ansatz zum Wohnen in der Natur. Dazu gehören natürlich Schirme, aber auch der moderne, modulare Pavillon. Diese hexagonale Interpretation des Zeltes macht geschützte Räume im Freien möglich. Missoni Home zeigt Outdoor-Möbel mit Blumenmustern in kraftvollen Farben. Am pastellig getönten Stand von Dedon zwitschern Vögel. In einem weiß gehaltenen Garten Eden voller Palmen und Pflanzen fühlt sich der Besucher paradiesisch aufgehoben.

Samt und Glanz in modularen Wohninseln
Gold und Messing kehren wieder. Was der Messing-Kronleucher 2097 von Flos im Extrem ausreizt, nutzen andere, wie Minotti, als stylishe Aussage nebenher: Der lässige Glanz goldener Beistelltische neben einem grünen Samtsofa vor einer in dunklem Marmor verkleideten Wand wirkt chic und selbstbewusst. Zum ersten Mal präsentiert Minotti ein Sofa mit verstellbaren Arm- und Rückenlehnen. 

Schönes darf praktisch sein und sich auf veränderliche Lebensumstände einstellen. Deshalb liegen modulare Wohninseln nach wie vor im Trend. Gleich mehrere Hersteller zeigen dieses Jahr auch modular einsetzbare Paravents. Die Maxalto-Stauraumelemente greifen, passend zum schmeichelnden Samt-Trend, eine traditionelle Form der Veredelung wieder auf: Schellack-Oberflächen wecken Erinnerungen an den Stil früherer Zeiten. Es darf gemütlich sein im Wohnzimmer mit den Sofas Mariposa (Vitra) oder Husk (B&B Italia). Jaime Hayon hat seinem Sofaentwurf Favn (Fritz Hansen) noch einen Bruder für Cassina gegönnt.

Überhaupt nehmen Wohlfühl-Einrichtungen und Polstermöbel größeren Raum ein. Runde Formen, weiche Materialien, gerne auch Naturmaterialien wie dunklere Hölzer sind im Kommen. Tendenziell wird wieder mehr auf Farben und Muster gesetzt. Man sieht warme, kräftige Farben, seltener Pastell. Neonfarben dagegen verlieren an Bedeutung.

Noch ein wichtiges Highlight: Vitra erweitert die Alu-Chair-Familie um einen schlanken Dining Chair. Hella Jongerius hat dem Klassiker mit einer Reihe neuer Hopsak-Farbkombinationen eine behagliche, frische Ausstrahlung verliehen.

Ungebrochen: der Trend zu Accessoires und Leuchten
Obwohl dieses Jahr keine Euroluce stattfand, waren viele Leuchten in neuen Kollektionen und fantasievollen Einzelentwürfen zu sehen. Hay zeigt mit dem „Rope Trick Light‟ von Stefan Diez eine Leuchte, die wohl einen neuen Trend wiedergibt: Die Designs sehen irgendwie charmant, einfach und gebastelt aus. In den kleinen Showrooms der Stadt waren mit vormen.be oder MICROmacro vergleichbare Ideen zu entdecken. Artemide hat zwölf Designer aufgefordert, die Zukunft der Leuchten zu gestalten – mit faszinierenden Resultaten. Neben dem Design war hier die besondere Funktionalität der Leuchten auffällig: Es geht auch darum, wie man die Lichtquellen in Zukunft bedient. 

Die Messe war von erfreulich vielen Installationen und Kunstevents begleitet. Sie geben dem Salone frische Impulse aus dem kreativen Umfeld des Designs.