Vom 12. bis 17. April 2016 herrschte wieder Ausnahmezustand in der italienischen Design-Metropole: Über 370.000 Besucher ließen sich im Rahmen des 55. Salone del Mobile von rund 2.400 Ausstellern aus aller Welt inspirieren. Die weltweit größte Möbelmesse ist jedes Jahr Gipfeltreffen der internationalen Design-Szene. 

Neu in diesem Jahr: Der Trend zu feinen Accessoires. "Auffallend war die Vorliebe für schöne und handwerklich liebevoll bearbeitete Dinge", berichtet Katharina Menschel, verantwortlich für den Bereich Ausstellung bei designfunktion. "Das Spiel mit den Materialien, vor allem mit Messing oder Kupfer, war definitiv ein Thema. Schöne Gegenstände werden aufwendig bearbeitet, um sich bewusst von der Massenware abzusetzen." 

Neue und weichere Tischoberflächen bringen neben der Optik auch die Haptik mit ins Spiel. Etwas weicher zeigen sich auch die Farben in diesem Jahr: Dominierten im Vorjahr eher die dunklen Töne, blitzen nun verstärkt pastellige Rosatöne oder Gelb auf. 

Spiel mit Farben und Materialien
Mit fröhlichen Farben und außergewöhnlichen Mustern präsentierte sich Vitra. Neben dem Messeauftritt beim Salone del Mobile war das Schweizer Unternehmen mit einer temporären Installation in der Casa Vitra und einem Pop-up Store in der Innenstadt präsent. Besonders eindrucksvoll: die "Colour Machine" in der Casa Vitra, eingerichtet im ehemaligen Büro des Architekten Antonio Citterio. Die temporäre Installation widmete sich der Vitra-Farb- und Textilkollektion und präsentierte Erkenntnisse und Inspirationen der niederländischen Art-Direktorin Hella Jongerius. Riesige Farbräder am Boden und an der Decke bildeten das gesamte Farbspektrum der Firma ab und zeigten, wie sich Farbe, Volumen, Form und Material wechselseitig beeinflussen. Auf der zweiten Etage zeigte sich das Unternehmen von seiner selbstironischen Seite: In der Lounge wurde mit Farben und Materialien gespielt. Klassiker, wie der sonst in Leder gehaltene Lounge Chair, wurden mit gemusterten Stoffen überzogen oder in anderen bunten Farben ausgestellt – ein neuer Blickwinkel, der zum Innehalten und zum Schmunzeln anregte.

Impressionen aus der Casa Vitra

Auf dem Messestand stellte Vitra seine Produktneuheiten vor – darunter besonders im Fokus: das "Soft Modular Sofa" von Jasper Morrison. Es ist die aktuelle Interpretation eines inzwischen zum modernen Klassiker avancierten Sofa-Typus: dem bodennahen, horizontal ausgeprägten, modularen Sofa. Morrison verbindet in seiner neuen Kreation hohen Komfort mit klaren Formen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Vitra "Soft Modular Sofa", Design: Jasper Morrison

Einfach mal von oben auf die Dinge schauen
Spektakulär war auch der Auftritt des dänischen Unternehmens HAY in der Turnhalle "La Pelota". Auch hier wurden die Besucher zum Perspektivwechsel eingeladen, denn sie schauten bei ihrem Rundgang von oben in die Räume. Der konzeptionell sehr aufwendige 2.000 Quadratmeter umfassende Showroom im Stadtteil Brera präsentierte nicht nur zahlreiche Neuheiten, sondern beherbergte auch ein Café mit dänischen Spezialitäten sowie einen Minimarkt, in dem Besucher HAY-Accessoires und -Textilien kaufen konnten. Die Philosophie dahinter: Gutes Design soll allen zugänglich sein, die es zu schätzen wissen. Ein weiteres Highlight war die außergewöhnliche Outdoor-Kollektion "Palissade" von Ronan & Erwan Bouroullec. Stabil und elegant zugleich sind die Sessel, Bänke und Tische der vielseitigen Serie, die zu Hause auf Balkon und Terrasse oder im Garten ebenso ihren Platz findet wie in Cafés und Restaurants. 

Impressionen aus dem HAY-Showroom

Leidenschaft für schöne Dinge
Seit diesem Jahr hat Republic of Fritz Hansen auch eine eigene Accessoire-Serie: die Linie "Objects" mit zwölf wunderschönen Objekten, entwickelt von dänischen und internationalen Designern. Jedes Stück dieser Kollektion erzählt seine ganz eigene Geschichte: So wurde die Vase entwickelt, um der ganzen Blume Tribut zu zollen und nicht nur ihrer Blüte. Der Messing-Kerzenständer des Spaniers Jaime Hayon interpretiert den klassischen Kerzenhalter auf elegante Weise neu. Für Gemütlichkeit an kalten Tagen sorgen die warmen und weichen "Plaid Throws" aus hochwertiger Cashmere- oder Merino-Wolle.

Neue Accessoire-Serie "Objects" von Republic of Fritz Hansen

Sportlich oder klassisch
Minotti präsentierte sein neues Sitzprogramm "Freeman" von Rodolfo Dordoni, dem "Meister des Sofas". Das Sofa "Freeman" hat zwei Gesichter: die eher klassische Variante "Duvet" mit geschmeidigen Linien und extraweichen Kissen. Sportlich und kompakt wirken die Elemente von "Tailor" mit ihren charakteristischen Steppnähten. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neues Minotti-Sofa "Freeman", Design: Rodolfo Dordoni

Erfrischend anders
Cassina sorgte mit knalligen Farben und einem Showroom der besonderen Art für frischen Wind: Wie in einem Museum konnten die Besucher die von Patricia Urquiola arrangierten Ausstellungsstücke besichtigen. Der Gedanke dahinter: Die Arbeit eines Designers ist wie die eines Künstlers – kreativ, anregend, komplex und facettenreich. 

Revolutionär auch die Neuauflage des Sessels Utrecht: Der Künstler Bertjan Pot hat ein Gewebe in drei Jacquard-Varianten entworfen, speziell für den von Gerrit T. Rietveld 1935 gestalteten Design-Klassiker. Dieses Gewebe weist ein einzigartiges geometrisches Muster auf, bei dem sich die Dreieck-Kombinationen nie wiederholen. 

 

 

 

 

 

 

 

 

637 UTRECHT C90 Limited Edition, Design: Gerrit Thomas Rietveld

Edel und elegant
Eines der Highlights des italienischen Möbelherstellern B&B Italia war das von Designer und Architekt Antonio Citterio entworfene Sofa "Richard": ein edles und elegantes Sitzmöbel, bei dem sich zwei verschiedene Sitztiefen flexibel miteinander kombinieren lassen: 90 Zentimeter für eher förmliche Lösungen oder 120 für entspanntes und informelles Sitzen in Lounge-Atmosphäre.

 

 

 

 

 

 

 


B & B-Italia-Sofa "Richard", Design: Antonio Citterio

Die Farbe im Zentrum
Der italienische Möbelhersteller Arper erweitert die Farbpalette seiner preisgekrönten und zeitlosen Kollektion "Catifa". Der vom Designer-Trio Lievore, Altherr und Molina 2004 entworfene minimalistische Stuhl hat seine Form bewahrt und präsentiert sich jetzt in neuen, eher zarten Farben: Rosé, Petrol, Gelb, Elfenbein und Rauchgrau ermöglichen viele neue Farbkombinationen.

 

 

 

 

 

 

 

 


Arper-Stuhl "Catifa", Design: Lievore, Altherr, Molina

Unzählige Möglichkeiten
e15 stellte auf dem Salone del Mobile sein neues Sitzmöbel "Kerman" von Philipp Mainzer und Farah Ebrahimi vor. Das modulare Sofa mit der skulptural anmutenden Silhouette strahlt zugleich Leichtigkeit und Monumentalität aus. Dank seiner unterschiedlichen Module und Stoffe lassen sich ganz flexibel ausdrucksstarke Umgebungen schaffen – für den privaten und den öffentlichen Raum.


e15-Sofa "Kerman", Design: Philipp Mainzer, Farah Ebrahimi

"Fenice" reloaded
Die italienische Möbelfirma Zanotta schreibt mit der Neuauflage des 1936 von Piero Bottoni für die Villa Muggia entworfenen Tisches "Fenice" eine ganz besondere Geschichte: Die Villa in Imola wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, der Tisch blieb jedoch stehen. Zanotta stellt den Tisch mit neuen Materialien in limitierter Auflage wieder her – gefertigt aus Polimex mit betongrauer Oberfläche. 


Zanotta-Neuauflage des Tisches "Fenice", Design: Piero Bottoni

Konzentration aufs Wesentliche
"Schlicht und schön", so lautet der Anspruch des Design-Unternehmens MDF Italia. Verkörpert wird er auf ideale Weise von dem MDF-Bestseller "Tense", der in Mailand in drei neuen Materialien präsentiert wurde: Mit Holz, Messing und Stein hat Designer Piergiorgio Cazzaniga drei traditionelle Materialien ausgewählt, deren stoffliche Qualitäten durch vorsichtige handwerkliche Bearbeitung besonders hervorgehoben werden. 


MDF-Italia-Tisch "Tense" mit drei neuen Oberflächen, Design: Piergiorgio Cazzaniga

Und auch hier lässt es sich wieder beobachten: das Spiel mit den Materialien, die Suche nach schönen Werkstoffen und der Fokus auf handwerkliche Qualität. "Vielleicht ist es die Suche nach dem Wesentlichen und die Besinnung auf alte Werte, die sich hier als kleiner Trend abzeichnen", so Katharina Menschel. Manchmal lohnt sich der Blick in die Vergangenheit, wenn man in Richtung Zukunft gehen möchte.