In den modernen Arbeitskonzepten, die innovative Unternehmen wie Microsoft bereits seit einigen Jahren erproben, werden die Grenzen zwischen Büro, privatem und öffentlichem Raum durchlässig. Gearbeitet wird, wo es WLAN gibt, und das ist fast überall der Fall. Die Entwicklung wird zusätzlich vom Streben nach effizienten Büros angetrieben: Wenn für einen Großteil der Mitarbeiter im Arbeitsmix von Homeoffice und Büroarbeit der eigene Schreibtisch im Unternehmen entfallen kann, ist das ein attraktives Einsparpotenzial. Die große Frage in diesem Trend ist: Wie muss ein modernes Büro aussehen, damit es diese flexiblen Arbeitsformen ermöglicht und gleichzeitig attraktiv für Mitarbeiter und andere Stakeholder ist? 

Büros werden smarter und wohnlicher
Die Aussteller der ORGATEC geben darauf viele faszinierende Antworten. Allen voran Vitra, die der Branche eine komplette Messehalle als Forum gestaltet haben. Hier inspirierten sich Geschäftsführer, Architekten und HR-Verantwortliche auf der Plattform „WORK“. 

Grundsätzlich konnten wir feststellen, dass nicht nur das Büro nach Hause kommt, sondern auch die warme, heimelige Atmosphäre des Wohnzimmers im Büro Einzug hält. Stoffe in der Trendfarbe Petrolblau lösen das gängige Büroleder ab. Es wird farbenfroh und ziemlich kreativ – nicht nur, was die Gestaltung von Sonderflächen wie Decken und Wänden angeht. 

Ein stehendes Thema waren Möglichkeiten der flexiblen Raumtrennung: Wände sind out, schallisolierende und optisch abschirmende Raumteiler sind in. Sie bringen ungestörte Privatheit zurück in das Open Office. Ein Effekt der Digitalisierung: Mit dem papierlosen Büro sind intelligente Lösungen für Stauraum gefragt, der im modernen Büro tendenziell knapper geplant wird.

Nach dem Smarthome zieht der Segen der Gebäudeintelligenz nun auch ins Büro ein: Mit einer App können Mitarbeiter beispielsweise Arbeitsplätze buchen. Ein Klick genügt und sie finden ihre persönlichen Voreinstellungen an Stuhl und Tisch vor. 

Vitra präsentierte den Gemeinschaftsstand „WORK“
Vitra schaffte mit einer eigenen Halle einen natürlichen Treffpunkt auf der ORGATEC. Auf 6.000 Quadratmetern versammelte die Plattform „WORK“ eine ganze Reihe gleichgesinnter Unternehmen, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln erforschen, wie multilokale Arbeit – zu Hause, im Büro, auf Reisen, im Hotel, im Café … – aussehen kann. „Außerdem geht es um die zentrale Frage, wie Büroumgebungen die Attraktivität eines Unternehmens sowie die Identifikation und Bindung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen verstärken“, fasste Rudolf Pütz von Vitra die wachsende Bedeutung des Employer Branding für die Bürokonzepte zusammen. Das Projekt „WORK“ trägt dem wachsenden Bedarf nach ganzheitlich geplanten Büros Rechnung. Alle Unternehmen, die zum Erfolg eines Büros beitragen können – mit Technik, Konzepten, Einrichtung oder Architektur-Know-how – waren hier unter einem Dach vereint. Die Halle trug dadurch den Charakter eines Marktplatzes, auf dem sich viele Branchen-Partner mit eigenen Innovationen präsentierten. Ein Rundgang durch die Halle las sich wie ein internationales „Who's who“ der Büro-Ausstattung: Neben der Vitra-Tochter Artek trafen wir u. a. auf Bulthaup, Kvadrat, Laufen, Ruckstuhl, Wästberg, Mercedes Benz, Swisscom und Samsung. Vitra selbst präsentierte das Konzept des Collage Office, eines vollkommen individuell gestaltbaren Büroumfeldes, das die Markenwerte eines Unternehmens möglichst perfekt wiedergibt. Einige Beispiele dafür konnten die Besucher in der Halle „WORK“ live erleben.

Flexiblere Lösungen für Räume und Zonen im Büro
Die Digitalisierung hat Unternehmen und ihren Bürobedarf massiv verändert. Beide müssen flexibel sein, um im Markt zu bestehen. Viele zeitgenössische Unternehmen starten schnell, wachsen schnell und beherrschen die Kunst, sich bei Bedarf wieder zu verkleinern. Büro und Einrichtung müssen die raschen Wechsel und Wendungen, neue Projektteams und restrukturierte Belegschaften mittragen. Dafür bieten sich möglichst flexible Komponenten an: Raumteiler, die bedarfsgerecht verschoben werden können, Klapptische, die wenig Raum einnehmen, wenn sie nicht gebraucht werden. In großen, offenen Büroräumen können Unternehmen mit akustisch wirksamen Elementen verschiedene Arbeitszonen einrichten: ruhige, abgeschirmte Winkel mit Lounge-Charakter für Gespräche und Arbeitsplätze für ungestörtes, konzentriertes Arbeiten allein. Manche neuen Produkte verbinden das Notwendige mit dem Nützlichen und integrieren in einen Raumteiler gleich noch Stauraum für Bücher und Prospekte.

Arbeitswelten – mit der App gesteuert und analysiert

Mit der Digitalisierung halten die Möglichkeiten elektronischer Steuerung im Büro Einzug: Intelligente Meeting-Räume merken heute, ob und wie viele Personen zur Besprechung gekommen sind. Verlässt der Letzte den Raum, geht von selbst das Licht aus. 

König + Neurath hat mit dem „Smart.Office“ den Ansatz des intelligenten Büros einen weiten Schritt nach vorn gebracht. Arbeitsplätze zeigen an, ob sie bereits gebucht oder noch frei sind. Außerdem merken sie sich die bevorzugte Tisch- und Sitzhöhe einzelner Mitarbeiter. Indem das Büro weiß, wer wann welche Einrichtungen benutzt, kann die Effizienz im Büro bedeutend gesteigert werden. Endlich sind verlässliche Daten darüber vorhanden, welche Auslastung tatsächlich gegeben ist und welche Funktionalität im Büro wirklich gebraucht wird. Licht, Temperatur und Akustik sind immer so geregelt, wie es dem tatsächlichen Bedarf entspricht.

 

Weitere Highlights der Orgatec

Teaser-Foto: Koelnmesse / Thomas Klerx