Trendthema: Teppich und Kunst

Zwischen Kunst, Architektur und Design

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Lange Zeit führten sie ein Nischendasein. Die Forschung interessierte sich wenig für sie, Ausstellungen gab es kaum. Doch zurzeit sind Textilien mindestens en vogue. Gleich mehrere Museen nehmen sich des Themas an, darunter die Pinakothek der Moderne in München, Museen in Mönchengladbach, Bielefeld und Wolfsburg bis hin zum Musée d’Art Moderne in Paris. Textilien spielen auch auf der Biennale in Venedig eine prominente Rolle. Der Künstler Rudolf Stingl hat im Palazzo Grassi Böden und Wände vollständig mit Teppichen verkleiden lassen. Besonderen Einfluss auf die Kunst hatten „marokkanische Teppiche“ seit mehr als 100 Jahren. 

Lernen von den Berberinnen
Nomadenteppiche faszinierten Künstler wie Paul Klee, Wassily Kandinsky, Le Corbusier und Frank Lloyd Wright. Diese Teppiche muten seit jeher modern an, da sie Farben und Formen sehr frei gestalten. Sie verdanken diesen modernen Zug einmal der islamischen Bilderfeindlichkeit, zum anderen den besonderen Bedingungen des Nomadenlebens. Der Wolle und der Farbe Rot wurden im Islam segnende Kraft, die sogenannte „Barakah‟, zugesprochen. Die Berberinnen knüpften die Teppiche auch bewusst asymmetrisch, da die Perfektion der Gottheit vorbehalten bleiben musste. Es waren Eigenheiten wie diese, die die modernen Künstler faszinierten und inspirierten.

Nomadenteppiche erobern Europa
Vor allem die Reisen von Paul Klee und Henri Matisse machten die Teppiche in Europa bekannt. Die 1931 gegründete Schweizer Wohnbedarf AG importierte die Berberteppiche und verband sie mit dem Einrichtungsstil des Bauhaus. Firmen wie Kasthall, Nanimarquina und Kinnasand knüpfen heute an diese Traditionen an und wenden sich von monochromen, hochflorigen Teppichen ab und Flachgeweben zu. Sie verarbeiten alte Teppiche zu neuen Produkten, die ihre eigene Geschichte transportieren. Dazu wählen sie bis zu 60 Jahre alte Nomadenteppiche aus Hanf aus und komponieren sie in Handarbeit neu zu einem Unikat. Alte Techniken der Kelim-Fertigung, wie die Schlitz-Technik, und Merkmale wie das Abrasch, eine minimale, kunstvolle Farbabweichung, greifen sie bewusst wieder auf. Dadurch werden die Nomadenteppiche zu faszinierenden Unikaten, die zwanglos neben Möbelklassikern von Le Corbusier oder Marcel Breuer bestehen können.

© Fotos: Rainer Viertlböck, sowie Fotos von Herstellerpartnern

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