Salone del Mobile 2018: Palazzi, Fiori e Sorprese

Mehr als 400.000 Besucher aus 188 Nationen – der Salone in Mailand ist die weltgrößte Messe für Wohneinrichtung und wächst von Jahr zu Jahr. Wer sich dieses Jahr alles ansehen wollte, hätte 1.841 Aussteller besuchen müssen. Mehr als sportlich in sechs Tagen – aber gar nicht notwendig. Wir waren lieber zielstrebig zu zehnt für Sie auf der Messe unterwegs und geben Ihnen heute einen Überblick über die Neuheiten in Möbeldesign und Wohnraumgestaltung, die wir wirklich bemerkenswert fanden. Was sind die aktuellen Wohntrends? Wie entwickelt sich das Möbeldesign weiter? Wie hatten die Hersteller ihre zum Teil spektakulären Räume gestaltet? Bei den Produktneuheiten gab es einige Überraschungen – vor allem Wilkhahn hat uns mit einer Bürostuhl-Linie überzeugt: Sie trägt den klangvollen Namen Aura.

Trends: Rosa, Grün, Marmor plus Holz
Fangen wir mit den Farben an. Der Gesamteindruck: Es war keine wirklich farbenfrohe Messe, aber eine mit viel Grün. Die Stände waren überwiegend in gedeckten Farben gehalten – Beige, Grautöne und Braun. Etwas mutiger waren die nach wie vor bestimmenden Spielarten von Rosa und Grün, Letzteres öfter mit einem eleganten Stich ins Petrol.

Der Trend zu Marmor hält sich, wobei kalter Marmor inzwischen gern mit warmem Holz kombiniert wird. Das ergibt ein spannungsvolles, interessantes Duo: luxuriöser Marmor, vereint mit der naturnahen, nordischen Strenge des Holzes. Samt in vielfältigen Varianten ist nach wie vor ein gern genutzter Stoff. Dazu passt der „Teddy-Look“, den wir bei mehreren Herstellern antrafen. Eingefärbtes Glas als Tischplatte ist nach wie vor trendy. Ein gelungenes Beispiel zeigte Minotti mit dem Beistelltisch Waves: Seine wellenförmige Aluminiumkonstruktion wird von einer grauen Rauchglasplatte abgedeckt. Ein weiteres tolles Beispiel für die perfekte Kombination aus Holz und Marmor zeigte Zoom by Mobimex mit seinem elliptischen Tisch Medeo, der aus der Feder des Berliner Büros Coordination stammt. Dieser Tisch kommt direkt von der Messe zu uns und ist ab 14. Mai in der Leopoldstraße 121 in München zu sehen.

Deko? Gerne mit Pflanzen!
Hay und Fritz Hansen unterstützten auffällig den Trend zur grünen Deko. Aber Gubi übertraf sie alle. Die Dänen waren die Referenz für Raumgestaltung mit Blumen und verzierten die Kamine im Palazzo Serbelloni mit erlesenen Gestecken. Die Blumenkunstwerke nahmen die Farben der bemalten Wände auf und erfüllten die Räume sanft mit Orchideenduft. Acht Floristen kümmerten sich laufend um die opulente Blumenpracht.

Unsere bemerkenswerte Entdeckungen:

Gubis originaler Klassiker

der C-Chair

Marcel Gascoin entwarf ihn 1947: Der C-Chair ist ein robuster Holzstuhl, kompakt, aber in jedem Detail mit der besonderen Finesse gestaltet, die ihn leicht und attraktiv erscheinen lässt. Gubi bringt den Klassiker neu auf den Markt. Typisch für das Unternehmen ist es, alte und neue Designer in der Kollektion stilistisch zu vereinen. Der Bat Lounge Chair von GamFratesi, der dieses Jahr erscheint, wirkt wie ein Modell der Zwanzigerjahre. Die Kooperation mit dem italienischen Stoffhersteller Dedar bescherte einigen Gubi-Sesseln spannende Retro-Akzente, die mit ihren aus der Zeit gefallenen Mustern an die frühe Ära von Chanel denken lassen.

Wilkhahn

AT: ein neuer Star in magischem Ambiente

In der indirekt beleuchteten Villa Necchi Campiglio präsentierte Wilkhahn als Pre-Event für die Vip-Klientel der Mailänder Messe eine neuen Bürostuhl, der der Öffentlichkeit erst ab dem 1. Mai bekannt gemacht wurde: der AT ist nach ON und IN das dritte Mitglied der Wilkhahn-Kollektion an free-2-move-Bürostühlen.

Mit einer raffinierten Automatik stellt sich AT auf den Körper des Benutzers ein und animiert ihn kontinuierlich zu kleinen und kleinsten Bewegungen im Sitzen: ideal für die Gesundheit am Arbeitsplatz. Natürlich genießt bei Wilkhahn neben dem Rücken auch das Auge den Stuhl. Der AT wirkt mit seinen im Layersystem aufgehängten Sitz- und Rückenschalen luftig und elegant. Mit der richtigen Beleuchtung im passenden Ambiente sogar bezaubernd schön.

Vitra

der Plastic Chair in Fiberglas!

Vitra wie gewohnt mutig: Der Schweizer Hersteller wagte es, einen ganzen Raum in Mango zu gestalten. Uns faszinierte ein Sofa von Hella Jongerius, dessen Polster wie ein über die Lehne gelegter Teppich aussieht. Der Prototyp zeigte die von Jongerius erwartete fein abgestimmte Farbigkeit in hellen Tönen. Lag da nicht eine zusammengerollte Katze? Die Deko auf dem Vitra Stand zog mit schlafenden Tieren aus Porzellan Blicke auf sich.

Der Star war aber ganz klar der Plastic Chair von Charles & Ray Eames. Ihn gibt es bald wieder mit der Fiberglasschale der ersten Modelle in den historischen Originalfarben: Elephant Hide Grey, Parchment, Sea Foam Green, Raw Umber, Red Orange und Navy Blue. Die Oberflächen aus Fiberglas zeigen eine deutlich feinere Anmutung als die im Spritzguss gefertigten Plastiksitze. Die durchscheinenden Fasern schillern sanft, lösen sich aber – im Unterschied zum Original – nicht mehr ab.

designfunktion zeigt ab 1. Oktober als Exklusivpartner von Vitra die neuen Modelle. Eine Bestellung der Fiberglas-Ausführung des Plastic Chair ist nur über wenige ausgewählte Händler möglich. Seien Sie einer der Ersten, die den neuen alten Klassiker bei sich zu Hause willkommen heißen dürfen!

B & B Italia

Neues von zwei Meistern: Eda-Mame-Sofa

Mit dem Eda-Mame-Sofa hat B & B Italia eine Sitzgelegenheit für Wartebereiche entwickelt, die mit ihrem kühnen Schwung an einen Löffel erinnert. Piero Lissoni ließ sich nach Auskunft des Herstellers freilich eher von der namengebenden Sojabohne inspirieren. Antonio Citterio hat mit Atoll ein optisch reduziertes Sofasystem entworfen, das mit Elementen in verschiedenen Tiefen und Formen beliebige Sitzlandschaften erlaubt.

USM

not enough play?

Verspiegelte, beschriebene Wände, alte Telefone und Schreibmaschinen – gleich zwei Preise heimsten die Münsinger mit ihrem mutig verspielten Messestand ein: je einen Frame Award Milan für „Best Use of Material“ und „Trade-Fair Stand of the Year“.

Die Konstruktion aus Stangen, Konnektoren und Rohren dachten sich die Gestalter von UNStudio Futures-Team aus. Sie musste in 2.000 Stunden aufgebaut werden. Die Mühe hat sich unbedingt gelohnt. Der Stand thematisierte die zunehmend unscharfen Grenzen zwischen Arbeiten und Wohnen und fragt nach den menschlichen Qualitäten zukünftigen Arbeitens. Unter dem Titel „Too much HomeWork, not enough play?“ sucht USM das Gespräch mit den Gästen, um gemeinsam die Voraussetzungen des Post-Work-Zeitalters zu erforschen.

Gubis originaler Klassiker

Neu aufgelegte Klassiker zum 70. Geburtstag

Bei Minotti wird gefeiert. Der italienische Edelhersteller schenkt sich zum Geburtstag zwei neu aufgelegte Klassiker seiner Gründungszeit: Albert & Ile. Das Sofa mit Sessel hört auf die Namen des Gründers Alberto und seiner Frau Ileana, die noch heute ehrenamtliche Präsidentin der Firma ist.

Die noblen Sitzmöbel sind mit Mohair-Samt bezogen. Er changiert von Nerz zu Kobalt, Ozeanblau und Titan. Für den Messestand setzte Minotti überall auf Größe und Opulenz. Man hat einen haushohen Kamin nachbauen lassen, die Sofainstallationen stehen auf riesigen Teppichen, die gewaltige Raumhöhe macht sogar eine umlaufende Galerie möglich. Von hier hatte man den besten Blick, zum Beispiel auf unsere Lieblingsexponate bei Minotti: das sportlich angehauchte Sofa Alexander und der humorvolle Beistelltisch Waves, von dem wir oben bereits sprachen.

Montana

neues Regalsystem

Das geniale Regal Montana bekommt ein Geschwisterchen: Montana free. Das neue, frei stehende Regalsystem verbindet stabile, schlanke Stahlstreben mit belastbaren MDF-Böden. Die Farbpalette ist übersichtlich. Es gibt Montana free in Rot, Schwarz, Weiß und Grau. Auf dem Stand gefielen uns die Wände in Petrol, kombiniert mit viel Rosa. Es ist ja nicht so, dass man keine Farben kennen würde bei Montana.