Referenzprojekt: Stadtbücherei Augsburg


Liebe Leser, Kunden und Geschäftsfreunde von designfunktion,

heute möchten wir Ihnen unser Objekt „Neue Stadtbücherei Augsburg vorstellen, das wir gemeinsam mit Schrammel Architekten Stadtplaner eingerichtet haben. Lesen Sie nachfolgend Detailinformationen zum Objekt und einen Projektbericht von Dr. Stefan Schrammel dem verantwortlichen Architekten.



Zum Projekt:

„Augsburg leuchtet“ – schrieb die Süddeutsche Zeitung als die neue Stadtbücherei im Juni 2009 offiziell eröffnet wurde.

Das Augsburger Bibliothekskonzept ist innovativ und zukunftsorientiert, es bindet die Stadtgesellschaft mit ein, indem es unkonventionelle Kooperationsformen mit verschiedenen Partnern eingeht. Die moderne Architektur zeigt Offenheit, Transparenz und überrascht mit dem außergewöhnlichen Farb- und Lichtkonzept sagt Dipl.-Bibliothekar Manfred Lutzenberger, Leiter der Neuen Stadtbücherei.

„Für alle offen“ lautet der während der Planung geprägte Slogan für die Neue Stadtbücherei. Darin kommen drei Aspekte zum Ausdruck: Die Lage mitten in der Stadt, die dem offenen Nutzungskonzept entsprechende offene Architektur und das ambitionierte Energiekonzept.

Neben der Bücherei mit ca. 4.400 m2 auf drei Etagen sind verschiedene soziale Einrichtungen mit ca. 500 m2 untergebracht.

Um ein zentrales Lichtauge sind alle Abteilungen aufgebaut. Der Besucher kreist um die Mitte nach oben, den Haupttreppen folgend. Transparenz und Offenheit nach innen und außen, immer neue Blickbeziehungen führen zu einer hohen Aufenthaltsqualität. Erfüllt ist der Raum von Tageslicht, das besonders intensiv durch die drei großen Lichttrompeten an der Decke nach innen fällt. Mehr als 400 Spiegeldreiecke pro Trompete und Prismenkörper werfen eine Fülle von Tageslicht in den Raum. Reflexe auf den Brüstungen brechen die Kanten und lösen den Raum auf. Das in die Spektralfarben zerlegte Licht bestimmt auch das Farbkonzept: leuchtende Töne und Silber.

Von Anfang an war von allen Beteiligten ein innovatives Energiekonzept mit einem maximalen Primärenergieverbrauch von 126 kWh/a m2 incl. Cafeteria gefordert worden. Die vollkommen verglasten, teilweise zweischaligen Fassaden mit Lichtlenkung sind genauso ein fester Bestandteil des Energiekonzeptes wie das Lichtauge, die Kühldecken oder die Fußbodenheizung. Durch die Baukörperstellung ist der Ernst-Reuter-Platz, der früher als Parkplatzfläche genutzt wurde, konsequent beruhigt worden. Er steht jetzt ganz dem Fußgänger zur Verfügung.

Projektbericht von Dr. Stefan Schrammel

Drei Aspekte bestimmen den Bau:
1. der Städtebau,
2. das Haustechnik- und Energiekonzept und
3. die offene Architektur

Zum Städtebau:
Die Baukörper können je nach Sichtweise des Betrachters und nach seinem Standort als Offenes Buch und als Bücherstütze interpretiert werden. Durch die Baukörperstellung ist der Platz, der früher hauptsächlich als Parkfläche genutzt wurde, konsequent beruhigt worden. Der neue Ernst-Reuter-Platz steht jetzt ganz dem Fußgänger zur Verfügung. Aus der durch das Glasrund des offenen Buches gefassten Gasse kommend, öffnet sich der Blick in die Tiefe des Raumes bis zum Stadtmarkt. Von der Fuggerstrasse kommend, öffnet sich der Blick über die breite Freitreppe. Aus der öden Parkplatzwüste wurde ein klar definierter, gefasster Platz, der mit seinen gut 800 m2 eine beeindruckende Großzügigkeit aufweist. Die Farbe und die Textur des Platzbelages setzen sich innen im Erdgeschoß fort.

Zum Haustechnik- und Energiekonzept:
Von Anfang an war von allen Beteiligten ein innovatives Energiekonzept mit einem begrenzten Primärenergieverbrauch von 126 kWh/a m2 gefordert worden. Gerade die für die Raumqualität gewünschte Transparenz schien aber zunächst im Widerspruch dazu zu stehen. Dieser Auftrag wurde in einem komplexen Planungsprozess, dem sog. Clima-Design bewältigt. Clima-Design meint eine enge Vernetzung von Architektur und Haustechnik. Besondere Bedeutung kommt dabei der Kunst- und Tageslichtgestaltung zu. Jeder einzelne Bestandteil des Gebäudes erfüllt eine Funktion. Die vollkommen verglasten, teilweise zweischaligen Fassaden sind genauso ein fester Bestandteil des Energiekonzeptes wie das Lichtauge, die Kühldecken oder die Fußbodenheizung. Eine große Herausforderung war es, das alles in Einklang zu bringen mit den Forderungen der Raumakustik. So wurden alle zur Verfügung stehenden Flächen Schall absorbierend ausgerüstet.

Zur Architektur:
Eine zeitgemäße Architektursprache in einer gesichtslos inhomogenen Umgebung schien uns wichtig. Die Themen Glas, Ein- und Ausblicke, Offenheit wurden für die Augsburger Bücherei herausgearbeitet. Um ein zentrales Lichtauge sind hier alle Abteilungen aufgebaut. Wie ein großer Strudel wird der Besucher nach oben gezogen, kreist um die Mitte, die Haupttreppen sind dort angeordnet. Immer neue Blicke nach innen und außen tun sich auf. Der Benutzer erlebt das Haus in der Bewegung und kann sich an jeder Stelle nach innen und außen orientieren. Dazu tragen auch die verglasten Fassaden bei. Transparenz und Offenheit führt auch zu einer hohen Aufenthaltsqualität für Mitarbeiter wie Besucher. Erfüllt ist der Raum von Licht und Reflexen, die durch die drei großen Lichttrompeten an der Decke nach innen fallen. Mehr als 400 Spiegeldreiecke pro Trompete und Prismenkörper werfen eine Fülle von Tageslicht in den Raum. Das Farbkonzept ist von den Farben des Lichts bestimmt: An den Brüstungen und den einzelnen Abteilungen tauchen die Farben des spektral zerlegten Lichtes auf. Warme Orangetöne dominieren gerade im Erdgeschoss. Diese „aktive“ Farbigkeit ist auch an den Brüstungen der Treppen und Galerien verwendet. In der Summe ergeben die Farben wieder die Farbe des Lichtes: weiss.

Soweit zum Formalen:
Das alles ist Hardware oder gutes Handwerk, was dazu kommen muss, ist ein sinnlicher Moment in der Architektur. Nicht alles darf rational erfassbar sein und muss begründet werden. Zwei Themen - Licht und Papier - haben wir bei der Gestaltung besonders heraus gearbeitet; Licht zeigt sich gebrochen in seinen Spektralfarben und in Silber als Summe aller Farben. Die Modulation auf den unterschiedlichen Oberflächen, glanz und matt, löst den Raum auf und bricht die Kanten. Die Magie des Lichts gibt dem Raum eine permanente Veränderung. Veränderung zeigt sich auch an der Fassade. Das silbern beschichtete Streckmetall an der Lochfassade gibt je nach Tageszeit mehr oder weniger des orangefarbigen Untergrundes preis.

Als zweites Thema wurde Papier gewählt. Die AZ schrieb von Eselsohren und meinte damit die Kanten und Knicke, also den Stoff, aus dem die Bücher sind. Rationale und emotionale Momente stellen immer den Menschen in den Mittelpunkt. Architektur als Selbstzweck lehnen wir ab.


Fakten:
Referenzprojekt Stadtbücherei Augsburg

Projekt:
Neue Stadtbücherei Augsburg
Ernst Reuter Platz 1
86150 Augsburg

Auftraggeber:
Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Augsburg,
vertreten durch: AGS Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung, Augsburg

Planung und Bauleitung:
Schrammel Architekten Stadtplaner, Augsburg, Mitarbeit: Gabi Ackermann, Ulrich Falke, Sandra Hawuka, Werner Plankensteiner, Herbert Schmid, Martin Seidenspinner

Baustatik:
BfP Bruckner Fichtel und Partner GmbH, Augsburg

Akustik und Bauphysik:
Kurz und Fischer, Beratende Ingenieure, Feldkirchen

Einrichtungsplanung:
Schrammel Architekten Stadtplaner, Augsburg

Umsetzung Ausstattung:
designfunktion München, Büchereiregale EKZ

Kollektionen:
Vitra; Werner Works, Walter Knoll, FatBoy

Haustechnik: Ingenieurbüro Hausladen GmbH, Kirchheim b. München

Lichttechnik: Bartenbach Lichtlabor, Innsbruck

Projektgröße:
Nutzfläche 4.950qm
davon Stadtbücherei 4.185 qm und soziale Einrichtungen 550 qm
Einrichtungskosten: 1,8 Mio. € inkl. EDV

Arbeitsumfang:
- Öffentliche Bücherei (4 Abteilungen für Erwachsene, Kinder, Jugend und Musik) Saal (teilbar): 130qm
- Lesewerkstatt: 45 qm
- Gruppenraum: 24 qm
- Musikraum: 23 qm
- Cafe- und Lesebereiche Veranstaltungsbereich
- BackOffice (80 Arbeitsplätze)

Fotos: Julia Schambeck Fotografie, München
Texte: Dr. Stefan Schrammel, Schrammel Architekten Stadtplaner



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