designfunktion Newsletter 04/2010


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Referenzprojekt: Pavillon 21 MINI Opera Space

Auf dem Marstallplatz hinter dem Nationaltheater entstand mit dem Pavillon 21 MINI Opera Space eine neue, temporäre Spielstätte für die Zeit während der Münchner Opernfestspiele, für die designfunktion die vitra Bestuhlung lieferte.

Die Architekten von Coop Himmelb(l)au haben einen mobilen Ort für den Platz zwischen Olafur Eliassons Fassade des Probengebäudes der Bayerischen Staatsoper, dem historischen Marstall und dem Max Planck-Institut entworfen.

Spielerisch, diskursiv und kreativ werden darin Künstler mit unterschiedlichen Ausdrucksmitteln verschiedene Formate des Musiktheaters erproben und reflektieren. Sie überschreiten dabei lustvoll Grenzen zu anderen Kunstformen und möchten das Publikum überraschen.

Interview mit dem Design Principal Wolf D. Prix von COOP HIMMELB(L)AU zum Konzept des Projekts

„Die Aufgabe, die wir mit unserem Entwurf zu lösen hatten, war einen Raum für 300 Personen (oder 700 stehend) für experimentelle Vorführungen der Bayerischen Staatsoper zu schaffen. Er sollte als zerlegbarer, transportierbarer und an verschieden Orten wiederaufbaubarer Pavillon konzipiert werden und durch die Form den jeweiligen Stadtraum zum unverwechselbaren Ort machen. Masse und daher Gewicht sind die entscheidenden Kriterien für gute Akustik.

Die Konzeption des Pavillons 21 MINI Opera Space hatte daher einen Widerspruch zu bewältigen: eine leichte Konstruktion zu entwerfen, die binnen kurzer Zeit auf- und abbaubar sein muss, gleichzeitig aber die akustischen Bedingungen eines Konzertsaals erfüllen soll.

Wie schaffen wir also im Innenraum trotz Reduzierung der Masse ein Mindestmaß an guter Akustik? Schon die ersten Zeichnungen zeigen das Grundkonzept des Pavillons, nämlich Elemente einzuführen, die auf der einen Seite räumlich formale Transformationen von Tonsequenzen sind, auf der anderen Seite durch ihre pyramidenförmige Ausbildung schallreflektierende und schallschluckende Eigenschaften entwickeln:

"Soundscaping": Die Idee, Architektur mit Musik zu verbinden, ist nicht neu. Auch der Begriff "Soundscaping" ist nicht neu. Ähnlich wie bei Landscaping geht es dabei um Gestalt. "Soundscaping" stammt aus den 1940er-Jahren und bezeichnet eine Kompositionsmethode. In der Architektur haben sich Le Corbusier und Iannis Xenakis gemeinsam schon mit dem Thema Musik und Architektur beschäftigt, indem sie über dreidimensionale Umsetzungen von Kompositionen nachgedacht haben (Le Corbusiers Philips Pavillon und die Fensterteilung in La Tourette).

Unser "Soundscaping" basiert auf 3 Überlegungen: Erstens, einen Abschirmungseffekt vom Platz zur Straße zu erzielen, zweitens die Geometrie des Pavillons so zu formen, dass seine Oberfläche Lärm ablenkt, und drittens die Oberflächenbeschaffenheit des Pavillons so zu gestalten, dass sie Schall reflektiert und absorbiert.

Als Ausgangspunkt zur Abstraktion für Musik in räumliche Form wurde hier eine Sequenz aus dem Song "Purple Haze" von Jimi Hendrix sowie eine Passage aus "Don Giovanni" von Mozart transkribiert. Durch Analyse der Frequenzausschnitte aus den Musikstücken und durch die Verknüpfung mit dem computergenerierten 3D-Modell werden die Sequenzen mit Hilfe von "Scripting" parametrisch in pyramidenförmige "Spike-Konstruktionen" transformiert.

Um die Ziele für die Raumakustik auch im Innenraum umzusetzen, wurde für Innenwand- und Deckenflächen eine Kombination von perforierten, absorbierenden und glatten, reflektierenden Sandwichpaneelen vorgesehen. Der Bodenbelag des Pavillons ist als reflektierender, ebener "Bühnenboden" ausgeführt. Schallreflektierende, parallel gestellte Wand- und Deckenflächen werden vermieden und daher geneigt oder verdreht. Die Entwicklung der Elemente erfolgte gemeinsam mit der Akustikabteilung der Firma Arup; die dafür verwendete Konstruktion und Materialien wurden mit der Firma Frener & Reifer erarbeitet.

Wolf D. Prix / COOP HIMMELB(L)AU

Hier finden Sie ein paar visuelle Eindrücke, bitte klicken Sie auf die Bilder zum vergörßern!


Fakten: Referenzobjekt Pavillon 21 MINI Opera Space

Projekt:
Neubau eines „fliegenden Baus“ für experimentelle Vorführungen

Auftraggeber:

Freistaat Bayern vertreten durch Bayerische Staatsoper München

Planung:
COOP HIMMELB(L)AU, Wolf D. Prix / W. Dreibholz & Partner ZT GmbH

Design Principal: Wolf D. Prix

Projektpartner: Paul Kath

Projektarchitekt: Volker Kilian

Designarchitekt: Sophie-Charlotte Grell

Projektteam:
Wendy W Fok, Martin Jelinek, Daniela Kröhnert, Valerie Messini, Judith
Mussel, Martin Neumann, Renate Weissenböck

Umsetzung Bestuhlung: designfunktion München

Kollektion:
vitra Eames Plastic Side Chair, Untergestell verchromt, mit Reihenverbindung
Anzahl: 180 Plastic Side Chair schwarz, 120 Plastic Side Chair mauve, 21 Stapelwagen

Generalunternehmer: Frener & Reifer Metallbau GmbH, Augsburg, Deutschland

Akustik: ARUP, London, UK

Projektgröße:
Baukosten: EUR 2,1 Mio. netto
Einrichtungskosten: EUR 36.600,- netto
Grundstücksfläche: 1.790 m²
Netto Nutzfläche: 430 m²
Bruttogeschossfläche: 560 m²
Gebäude Grundfläche: 560 m²
Volumen: 4.350 m³
Gebäudehöhe: 12,5 m
Gebäudelänge: 38,5 m
Gebäudebreite: 25,5 m

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