ARBEITSUMGEBUNG UND INNOVATIONS-FÄHIGKEIT: WAS WIRKLICH ZÄHLT

Eine neue Studie des Fraunhofer IAO liefert überraschende Erkenntnisse darüber, wie Arbeitsumgebung und Innovationsfähigkeit zusammenhängen und was Führungskräfte daraus für die Gestaltung ihrer Büros ableiten können.

 

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Kuratiert von

Larissa

02.06.2026

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Immer mehr Unternehmen diskutieren, wie viele Tage ihre Mitarbeitenden ins Büro kommen sollen. Manche setzen auf klare Präsenzpflichten, andere schwören auf maximale Flexibilität. Doch eine entscheidende Frage bleibt dabei oft unbeantwortet: Was bedeutet das alles für die Innovationsfähigkeit eines Unternehmens?

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) hat im Februar 2026 eine umfangreiche Studie veröffentlicht, die genau dieser Frage nachgeht. Unter dem Titel "Das Büro als Corporate Innovation Hub" wurden rund 2.000 Wissensarbeitende befragt. Die Ergebnisse überraschen und widerlegen so manches Vorurteil.

Präsenz allein ist kein Garant für Innovation

Das vielleicht wichtigste Ergebnis der Studie: Es gibt keinen direkten linearen Zusammenhang zwischen der Zeit, die Mitarbeitende im Büro verbringen, und ihrer Innovationsfähigkeit. Diese Erkenntnis klingt zunächst kontraintuitiv, schließlich betonen viele Führungskräfte immer wieder die Bedeutung persönlicher Begegnung für kreative Prozesse. Die Daten sprechen jedoch eine klare Sprache.

Die Forschenden gruppierten die Befragten anhand ihrer Innovationswerte und ihres Präsenzverhaltens und fanden vier klar unterscheidbare Typen:

  1. Hoch innovativ und Hybrid (36 % Büropräsenz): Diese Gruppe weist die höchste Innovationswerte aller Gruppen auf – trotz oder gerade wegen eines hohen Homeoffice-Anteils und regelmäßiger Reisetätigkeit.

  2. Hoch innovativ im Büro (82 % Büropräsenz): Diese Gruppe hat ebenfalls hohe Innovationswerte und den höchsten Büroanteil aller Gruppen.

  3. Mittel innovativ und Hybrid (26 % Büropräsenz): Diese Gruppe hat eine ähnliche Arbeitsortverteilung wie Gruppe 1, aber deutlich niedrigere Innovationswerte.

  4. Mittel innovativ im Büro (71 % Büropräsenz): Trotz hoher Büropräsenz weist diese Gruppe die niedrigsten Innovationswerte aller Gruppen auf.

Was diese vier Gruppen so aufschlussreich macht: Jeweils eine hoch und eine mittel innovative Gruppe teilt sich fast identische Arbeitsortmuster. Gruppe 1 und Gruppe 3 verbringen ähnlich viel Zeit im Homeoffice und doch ist Gruppe 1 deutlich innovativer. Ähnliches gilt für die bürolastigen Gruppen 2 und 4. Das bedeutet: Der Arbeitsort erklärt die Unterschiede nicht. Es müssen andere Faktoren entscheidend sein.

Blick in ein Buero, in dem eine Frau in einer Alkove sitzt und telefoniert, im Hintergrund unterhalten sich Personen und arbeiten

Der entscheidende Faktor für Innovation: die Arbeitsumgebung

Wenn nicht die Häufigkeit der Bürobesuche zählt – was dann? Die Antwort der Studie ist eindeutig: Es kommt auf die Qualität der Büroumgebung an, insbesondere auf zwei konkrete Faktoren:

1. Eignung der Büroflächen für kreative Zusammenarbeit

Die innovativsten Gruppen bewerteten ihre Büroflächen deutlich besser in Bezug auf kreative Zusammenarbeit. Der Unterschied ist bemerkenswert groß. Räume, die Kreativität aktiv unterstützen, wie zum Beispiel durch flexible Möblierung, inspirierende Gestaltung, geeignete Technik und eine offene Atmosphäre, machen den entscheidenden Unterschied.

2. Eignung der Büroflächen für bereichsübergreifende Treffen

Innovation entsteht selten in geschlossenen Abteilungsblasen. Die Studie bestätigt: Unternehmen, deren Büros Begegnungen zwischen verschiedenen Abteilungen und Fachbereichen aktiv fördern, profitieren deutlich in ihrer Innovationsleistung. Eine abteilungsübergreifende Zusammenarbeit kann durch entsprechende Flächen, eine einladende Raumgestaltung und flexible Modelle wie Desk-Sharing erreicht werden. Auch wenn dieser Zusammenhang etwas schwächer ausgeprägt ist als beim ersten Faktor, bleibt er klar erkennbar. 

Also: Nicht wie oft Mitarbeitende ins Büro kommen, sondern was sie dort vorfinden, entscheidet über die Innovationskraft einer Organisation.

Was Innovation im Alltag wirklich antreibt: Weitere Einflussfaktoren

Neben der Raumgestaltung untersuchte die Studie rund 100 weitere Faktoren hinsichtlich ihres Einflusses auf Kreativität und Innovationsfähigkeit. Die stärksten Treiber sind dabei weniger überraschend als vielmehr bestätigend für das, was gute Arbeitskultur ausmacht:

  • Abwechslung bei der Arbeit: Der stärkste Einzelfaktor überhaupt. Wer täglich Neues erlebt, denkt auch kreativer. Monotonie ist der größte Innovationskiller.

  • Möglichkeit, Neues zu lernen: Wer täglich Gelegenheit hat, sich weiterzuentwickeln, denkt auch innovativer.

  • Spaß bei der Arbeit: Eine positive Arbeitsatmosphäre ist kein Nice-to-have, sondern ein messbarer Innovationstreiber.

  • Engagement für die Organisation: Wer sich mit dem Unternehmenserfolg identifiziert, trägt aktiver zu Innovationsprozessen bei.

Besonders aufschlussreich: Die innere Haltung, hohe Ziele verfolgen zu wollen, wirkt sich stärker positiv auf Innovation aus als die tatsächlich erbrachte Leistung. Anders gesagt: Wer ambitioniert denkt, denkt auch innovativer – unabhängig davon, was gerade auf der To-do-Liste steht. Für Unternehmen bedeutet das: Eine Kultur, die Ambitionen weckt und fördert, ist langfristig wertvoller als reine Performance-Optimierung.

Blick in ein von designfunktion gestaltetes Buero, in dem Tische und Sofas stehen und eine Person durch das Bild geht

Innovationsfähigkeit gezielt fördern: Fünf Handlungsfelder für Unternehmen

Die Studie leitet aus ihren Befunden fünf konkrete Handlungsfelder ab, die als Leitfaden für die Gestaltung innovationsförderlicher Arbeitsumgebungen dienen können:

1. Spaß und positive Atmosphäre fördern

Gamification-Ansätze, kreative Challenges und Räume für informellen Austausch – Lounges, Kommunikationszonen, Begegnungsbereiche – schaffen eine Arbeitsatmosphäre, in der Ideen entstehen.

2. Abwechslung in den Arbeitsalltag bringen

Job-Rotation, projektbasiertes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten helfen, Monotonie zu durchbrechen und neue Perspektiven zu gewinnen. Das Büro kann dabei durch seine räumliche Vielfalt mit verschiedenen Zonen für konzentriertes Arbeiten, Kollaboration und Erholung aktiv unterstützen.

3. Eine lernförderliche Umgebung schaffen

Lernlounges, Bibliotheken oder dedizierte Schulungsbereiche im Büro signalisieren: Wissensaufbau ist hier erwünscht. Regelmäßige Networking-Formate fördern zusätzlich den internen Wissensaustausch.

4. Flächen für kreative Zusammenarbeit einrichten

Dieser Punkt ist laut Studie der stärkste raumbasierte Hebel. Kreativräume brauchen Flexibilität: modulare Möbel, visuelle Arbeitsflächen wie Whiteboards und Pinnwände, Technik für hybride Formate und eine Atmosphäre, in der Ideen ohne Hemmungen geteilt werden. Die Gestaltung solcher Workshopräume ist gleichzeitig ein sichtbares Bekenntnis des Unternehmens zur Innovationskultur.

5. Co-Creation-Spaces für bereichsübergreifende Arbeit

Innovation entsteht an Schnittstellen, beispielsweise bei spontanen Begegnungen oder in interdisziplinäre Workshops. Räume, die explizit zum Zusammentreffen verschiedener Abteilungen einladen sind deshalb ein zentrales Element zukunftsorientierter Bürogestaltung. Modulare, anpassbare Flächen ermöglichen dabei die nötige Flexibilität für unterschiedliche Nutzungsszenarien.

Meetingraum mit flexiblen Moebeln und Whiteboard in einem Buero

Ein erhebliches Potenzial wartet darauf, gehoben zu werden

Besonders aufschlussreich ist ein Blick auf die Verteilung der Gruppen: Rund 60 Prozent der befragten Personen mit Innovationsanforderungen in ihrer Tätigkeit gehören zu den mittel innovativen Gruppen. Nur 40 Prozent zählen zu den wirklich hoch Innovativen.

Das bedeutet umgekehrt: Die Mehrheit der Wissensarbeitenden schöpft ihr innovatives Potenzial nicht voll aus. Und da der Schlüsselfaktor – die Qualität der Arbeitsumgebung – gestaltbar ist, liegt hier ein erheblicher, noch weitgehend ungenutzter Hebel für Unternehmen.

Fazit: Arbeitsumgebung ist Innovationsstrategie

Die Fraunhofer-Studie macht deutlich: Die Debatte rund um Homeoffice versus Büropräsenz greift zu kurz. Die eigentlich relevante Frage lautet nicht "Wie oft sollen Mitarbeitende ins Büro kommen?", sondern "Was bietet ihnen das Büro, das sie woanders nicht finden?".

Ein Büro, das Menschen ins konzentrierte Einzelarbeiten zwingt, was zuhause genauso gut (oder sogar besser) funktioniert, verschenkt sein Potenzial. Ein Büro hingegen, das mit durchdachten Flächen für Kreativität, Kollaboration und bereichsübergreifenden Austausch ausgestattet ist, wird zum echten Innovationsmotor.

Und: Dieser Hebel liegt buchstäblich in unseren Händen. Nämlich in der Art, wie wir Arbeitsumgebungen denken, gestalten und ausstatten. Wer die Innovationsfähigkeit seiner Organisation stärken will, kommt an der Frage, wie sein Büro dazu beiträgt, nicht vorbei.

Wenn Sie Unterstützung dabei benötigen, Ihr Büro zum echten Innovationstreiber umzugestalten, kontaktieren Sie uns gerne! 

 


Quelle:
Müller, C., Bockstahler, M. & Rief, S. (2026). Das Büro als Corporate Innovation Hub. Wirkung von Büropräsenz und Arbeitsumgebung auf Kreativität und Innovationsfähigkeit von Mitarbeitenden. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart.

 

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