5 Fragen an Interior-Expertin Anna-Lina Knufinke
2026 kommen viele Trends aus dem Wohnbereich ins Büro. Wird das Office zu einer Art zweitem Zuhause?
In gewisser Weise ja. Aber mit einem Unterschied: Während früher der einzelne Arbeitsplatz stark personalisiert war, rückt heute die Identität des Unternehmens in den Fokus. Räume erzählen mehr über die Marke, die Werte und die Kultur – weniger über den einzelnen Mitarbeitenden.
Welche Farbtrends werden 2026 im Büro wichtig?
Spannend ist, dass zwei extreme Strömungen parallel existieren: Auf der einen Seite sehr ruhige, reduzierte Farbwelten – Beige, Weiß, sanfte Töne. Auf der anderen Seite mutige, expressive Farben. Dahinter stecken zwei Bedürfnisse: Ruhe und Geborgenheit, aber auch Veränderung, Energie und Optimismus.
Material und Haptik gewinnen 2026 an Bedeutung. Warum ist das so?
Weil wir eine Gegenbewegung zur digitalen Welt erleben. Wer den ganzen Tag am Bildschirm arbeitet, sehnt sich nach natürlichen Materialien. Holz, strukturierte Oberflächen oder textile Elemente berühren unsere Sinne. Räume fühlen sich dadurch lebendiger und „echter“ an.
Unternehmen wollen nicht ständig dem Zeitgeist hinterherlaufen. Wie viel Trend sollte man also überhaupt in ein Büro lassen?
Trends sind wichtig als Inspiration. Sie sollten aber nie eins zu eins übernommen werden. Gute Konzepte entstehen, wenn man Trends interpretiert und auf die eigene Marke überträgt. Viele Entwicklungen sind zudem langlebiger, als man denkt. Farbwelten oder Materialien entwickeln sich über Jahre weiter und verschwinden nicht plötzlich.
Ein Blick nach vorn: Welche Rolle spielt Interior Design 2030?
Eine sehr große. Arbeitswelten werden ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um Talente. Vor allem jüngere Generationen erwarten Räume, die ihre Werte widerspiegeln – etwa in Bezug auf Atmosphäre, Flexibilität oder Unternehmenskultur. Wer hier nicht mitzieht, wird es schwer haben, Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten.