Der Filterkaffee plätschert sanft in Ihre Tasse, nebenan brummt das Faxgerät, und die unterzeichneten Kundenverträge rasen per Rohrpost in die obere Etage. Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann wissen Sie, dass die Arbeitswelt von heute nicht mehr viel mit dem zu tun hat, was viele von uns beim Berufseinstieg kennengelernt haben. Nostalgie ist etwas Schönes, bringt uns aber nicht weiter. Deshalb nehmen wir heute Trends, Technologien und Themen in den Blick, die unsere moderne Arbeitswelt und damit auch Ihr Unternehmen und Ihre Art zu arbeiten prägen werden.
Die Zukunft der Arbeit: Glaskugeln sind zerbrechlich
Im Jahr 2000 werden wir in Shuttles zur Arbeit schweben, Roboter fahren die Ernte ein, und Konzerne bauen Rohstoffe auf dem Mond ab. So oder so ähnlich klangen Vorhersagen aus den späten 60er-Jahren. Rückblickend war man vielleicht etwas vorschnell. Aber immerhin: Es bewegt sich ja wirklich etwas. Die Möglichkeiten Künstlicher Intelligenz erinnern schon ein wenig an Science-Fiction. Und wer hätte noch 2010 gedacht, dass für viele Menschen das New Office heute ein wahrer Sehnsuchtsort ist? Eben. Wie es weitergeht, wissen auch wir nicht. Wir wollen daher keine wilden Zukunftsprognosen anstellen oder in Träumereien verfallen. Stattdessen stellen wir Ihnen Trends und Entwicklungen vor, die nachweislich den Wandel der Arbeitswelt vorantreiben. Nüchtern. Sachlich. Faktenbasiert.
Künstliche Intelligenz: Digitalisierung ist erst der Anfang
Spätestens seit Filmen wie „Terminator“ oder „2001: Odyssee im Weltraum“ wissen wir, dass Künstliche Intelligenz ein zweischneidiges Schwert ist. Glücklicherweise streben die KI-Systeme nicht die Weltherrschaft an, und das Risiko, von ChatGPT & Co. aus einer Luftschleuse gestoßen zu werden, ist auch überschaubar. Dennoch: Die Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben, und wird die Arbeitswelt in jeder Branche, aber gerade die Wissensarbeit im Büro, völlig verändern.

Das Potenzial von KI ist nicht absehbar
Für die meisten Unternehmen ist das eine gute Nachricht. So werden zeitraubende Routineaufgaben vollständig automatisiert, während Datenanalysen fundierte Managemententscheiden ermöglichen und virtuelle Assistenten die Kundenbetreuung optimieren. Auch die interne Kommunikation sowie der Wissenstransfer innerhalb Ihrer Teams werden ein neues Level erreichen. So können Architekt:innen anhand von virtuellen 3D-Modellen ganze Gebäude vom Fundament bis zur Elektrik planen, Steuerkanzleien neue Mitarbeitende per KI in bestehende Prozesse einführen, oder Agenturen komplette Webseiten mithilfe von KI innerhalb kürzester Zeit programmieren. Die aktuelle Entwicklung zeigt: Wir stehen noch immer ganz am Anfang des digitalen Zeitalters, und im Vergleich zu den neuen KI-Systemen sehen bestehende digitale Systeme ganz schön alt aus.
- 99 Prozent der deutschen Vorstände betrachten KI als Schlüsseltechnologie.
- 82 Prozent glauben, dass KI-Tools die Wissensarbeit revolutionieren wird.
- 28 Prozent sind überzeugt, dass KI ihre Branche disruptiv verändern wird.1
Digitalisierung erschafft neue Berufsbilder
Selbst die cleverste KI kommt aber nicht ohne menschlichen Input aus. Die Sorge, dass die Digitalisierung Arbeitsplätze zerstört und den Menschen überflüssig macht, ist daher unbegründet. Klar ist aber auch: Bestehende Jobs werden sich verändern, und es werden völlig neue Berufsbilder entstehen. Beispiele sind Prompt-Ingenieure, die KI-Systeme wie ChatGPT so steuern, dass diese die gewünschten Ergebnisse erzielen, oder KI-Manager, die digitale Prozesse und Systeme koordinieren. Da es bislang kaum anerkannte Ausbildungswege oder Studiengänge für diese neuen Berufsbilder gibt, sind kompetente Fach- und Führungskräfte extrem selten und entsprechend begehrt. Womit wir beim nächsten Trend wären: Dem Fachkräftemangel.
Fachkräftemangel: Keine Trendwende in Sicht
Der Fachkräftemangel ist ein wenig wie der Klimawandel. Beide sind immer ein Thema, begleiten uns schon eine ganze Weile, und eine Lösung scheint nicht in Sicht. Daran ändert auch die Digitalisierung nur wenig. Der Grund: Die Geburtenraten in den westlichen Ländern sind seit Jahrzehnten extrem niedrig. Jedes Jahr gehen zudem zahlreiche kompetente und erfahrene Fachkräfte in Rente, für die es kaum Ersatz gibt. Selbst eine hohe Zuwanderung kann diese Fachkräftelücke nicht schließen.
- 2060 werden rund 10 Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter sein.2
- 352 Berufsbilder sind akut vom Fachkräftemangel betroffen.3
- 55 Prozent der Unternehmen betrachten den Fachkräftemangel als größtes Risiko.
It’s the demography, stupid
Unternehmen haben nun die Wahl. Sie können wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen oder der alten Weisheit folgen, dass jede Krise auch eine Chance ist. Unsere Empfehlung: Betrachten Sie den Fachkräftemangel als Anreiz, die Attraktivität Ihrer Arbeitgebermarke massiv zu steigern. Bunte Flyer und das Schalten von Jobangeboten auf Stellenbörsen sind da nicht genug. Im Zweifel sollten Sie Ihr Personalmarketing komplett auf den Kopf stellen, neue Wege in der Ansprache potenzieller Bewerber:innen gehen und überlegen, was diese wirklich von Ihrem Unternehmen erwarten. Dazu gehört auch, dass Sie das Bashing der Generation Z anderen überlassen und stattdessen junge, engagierte Menschen für Ihr Unternehmen begeistern. Wie das gelingen kann, was Diversität und Nachhaltigkeit damit zu tun haben und warum junge Berufseinstiger:innen alles andere als weinerliche Schneeflöckchen sind, erfahren Sie übrigens in diesem spannenden Interview mit dem Psychologen Philipp Hubert.

Büros: Alles bleibt anders
Ein weiterer Trend betrifft den Ort, an dem Millionen Deutsche täglich ihrer Arbeit nachgehen: Das Büro. Denn Remote Work und die Arbeit aus dem Homeoffice sorgen dafür, dass Unternehmen ihre Büros wesentlich effizienter nutzen. Die Folge: Im Jahr 2023 wurden in den sieben größten deutschen Städten 31 Prozent4 weniger Bürofläche vermittelt. Die Mietpreise für erstklassige Büros steigen trotzdem. Was paradox erscheint, ist das Ergebnis eines Wandels der Arbeitskultur. Für immer mehr Menschen ist die Arbeit aus dem Büro eben kein notwendiges Übel, sondern eine Gelegenheit zur sozialen Interaktion mit dem Team. Wer im Office perfekte Bedingungen für den eigenen Job vorfindet, ein angenehmes, gesundes Arbeitsklima genießen kann und sich als Mensch wertgeschätzt fühlt, wird das Büro gegen kein Straßencafé, Hotelzimmer oder Homeoffice eintauschen wollen. Anders gesagt: Attraktive Büros in guter Lage sind ein hervorragendes Argument, mit dem Sie Bewerber:innen überzeugen können. Unternehmen betrachten selbst hohe Büromieten als sinnvolle Investition, die sich auch langfristig auszahlt.
- 17 Millionen Deutsche arbeiten im Büro.5
- Mit 50 Euro6 pro Quadratmeter ist Bürofläche in München am teuersten.
- 4,1 Prozent7 der Büros in deutschen Großstädten stehen leer.
Büros als Spiegelbild der Arbeitswelt
Tatsächlich spiegeln sich alle hier angesprochenen Trends und Entwicklungen unserer Arbeitswelt im Büro wider. Die Digitalisierung etwa macht Konzepte wie das Desk-Sharing und Hybrid Work überhaupt erst möglich und sorgt dafür, dass Bürofläche wesentlich sinnvoller und effizienter genutzt werden kann. Wo früher reihenweise Schreibtische Platz in Anspruch nahmen, ist heute Raum für ansprechende Lounge-Bereiche oder smarte Raum-in-Raum-Systeme. Zugleich sind attraktiv gestaltete Büros ein echter Mitarbeitermagnet und ein fester Bestandteil einer modernen Arbeitgebermarke. Immer mehr Unternehmen erkennen das und investieren in Büros, die Orte der sozialen Interaktion und Identifikation mit der eigenen Marke sind. Gerade junge und motivierte Nachwuchskräfte der Generation Z & Co. können so langfristig an das Unternehmen gebunden werden und den Fachkräftemangel im Unternehmen lindern.