WORK-LIFE-BLENDING: DIE OPTIMALE SYMBIOSE AUS BERUF UND FREIZEIT?

Work-Life-Blending bedeutet, dass Beruf und Privatleben zunehmend miteinander verschmelzen. Doch für wen ist dieses Lebens- und Arbeitsmodell das richtige? 

 

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Kuratiert von

Johannes

14.12.2022

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„Wähle einen Beruf, den du liebst und du wirst nie wieder einen Tag arbeiten müssen.“ Nein, dieser Ausspruch stammt nicht von Elon Musk. Und auch New Work-Enthusiasten können dieses Zitat nicht für sich vereinnahmen. Der chinesische Philosoph Konfuzius war es, der vor mehreren Tausend Jahren auf die Idee kam, sein Hobby zum Beruf zu machen. Damals war übrigens Papier das modernste Medium. Dennoch: Die Idee hat ihren Charme. Denn die Digitalisierung erlaubt insbesondere Wissensarbeiter:innen heute, Beruf und Privatleben mehr als je zuvor miteinander zu vermischen. Aber wie sinnvoll ist Work-Life-Blending wirklich? Wir haben uns diese Entwicklung einmal näher angeschaut.

Definition: Was bedeutet Work-Life-Blending?

Sicher haben Sie bereits von „Work-Life-Balance“ gehört – also dem Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben. Während hier Arbeits- und Lebenszeit klar voneinander getrennt werden, ist dies beim Work-Life-Blending nicht der Fall. Im Gegenteil: Work-Life-Blending bedeutet, dass Beruf und Freizeit quasi ineinander übergehen und nicht mehr klar voneinander unterschieden werden.

Ist das Work-Life-Balance-Konzept überholt?

Studien zeigen, dass sich gerade in Deutschland Freizeit und Beruf im Vergleich zu anderen Ländern gut vereinbaren lassen. Nach Staaten wie Italien, Dänemark oder Norwegen rangiert Deutschland hier immerhin auf Rang 8 . Doch das Work-Life-Balance-Konzept ist nicht mehr die einzige Option, den Alltag zwischen Arbeit und Freizeit zu gestalten. Im Zuge der Digitalisierung und dem damit einhergehenden Trend in Richtung Hybride Arbeit ergeben sich auch andere Möglichkeiten. Mittlerweile können wir unabhängig von Zeit und Ort immer und überall arbeiten. Damit wird auch die Trennung von Arbeitszeit und Privatleben schwieriger. Besonders deutlich wird das im Homeoffice, oder wenn wir trotz aller guten Vorsätze dann doch im Urlaub unsere E-Mails checken. 

Neue Herausforderungen für Arbeitgeber


Auch Arbeitgeber stehen vor neuen Herausforderungen. Denn wenn sich der klassische Arbeitsalltag mit ständiger Büropräsenzzunehmend auflöst, müssen Regeln und Konzepte erschaffen werden, die den modernen Arbeitsmodellen einen Rahmen geben. Richtig umgesetzt, ergeben sich sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber neue Möglichkeiten und immer mehr Flexibilität in Bezug auf die freie Alltagsgestaltung. Daher haben sich andere Konzepte wie beispielsweise das Work-Life-Blending entwickelt. Genau wie das Work-Life-Balance-Konzept bringen sie neben zahlreichen Chancen natürlich auch einige Risiken mit sich. Es gibt deshalb nicht die eine richtige Art der Lebensgestaltung – vielmehr ist die richtige Wahl abhängig von den persönlichen Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen.

 

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Work-Life-Blending sprengt die Grenzen der Arbeit

Das Konzept des Work-Life-Blending nimmt die Entwicklungen der Digitalisierung und den Trends hin zum Homeoffice auf und formt sie zu einem ganz neuen Arbeitsmodell. In diesem Konzept spielt der klassische 8-Stunden-Tag im Büro kaum noch eine Rolle. Er spiegelt einfach nicht mehr die Arbeits- und Lebensrealität vieler Menschen wider. Besonders junge Menschen erwarten von den Unternehmen, dass diese New Work-Arbeitsmodelle anbieten und ermöglichen. Kein Wunder, denn diese Form des Arbeitens verspricht schließlich eine ganz neue Flexibilität. Nicht die Arbeit bestimmt den Alltag, der Arbeitsalltag wird so gestaltet, dass er sich ideal in das Privatleben einfügt. Doch Work-Life-Blending bringt als Arbeitsform neben vielen Vorteilen auch einige Risiken mit sich. Zeit, das Konzept genauer unter die Lupe zu nehmen.

Vorteile von Work-Life-Blending in der Arbeitswelt


Die Arbeit soll für das Leben funktionieren, nicht das Leben für die Arbeit. So oder so ähnlich könnte man die Ansprüche zusammenfassen, die zahlreiche Arbeitnehmer an die neuen Modelle der Arbeitswelt stellen. Oder, wie es Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut formuliert: „Viele Menschen, die etwa bereits seit 25 Jahren im gleichen Unternehmen arbeiten, sind sehr froh über die neugewonnene Flexibilität.“. Auch für ältere Generationen kann das Work-Life-Blending-Modell also sehr attraktiv sein. Das hat gleich mehrere Gründe:

  • Mehr Unabhängigkeit: Verfolgt man das Prinzip des Work-Life-Blendings hat man mehr Möglichkeiten seine Zeit frei einzuteilen. Wer den Vormittag lieber im Fitnessstudio verbringt oder sich um die Kinder kümmern möchte, hat dann am Abend Gelegenheit, die Arbeit nachzuholen. Vielleicht nutzt er die Trainingspausen für kurze Telefonate mit den Kunden oder für die Beantwortung einiger E-Mails. Auch der Arbeitsort ist flexibel wählbar. Das klassische Büro ist hier nur eine Alternative von vielen. Denn dank digitaler Tools kann die Arbeit auch aus dem Homeoffice, dem Hotelzimmer oder am Pool erledigt werden. Meist geht das Work-Life-Blending auch damit einher, dass die geleisteten Ergebnisse im Vordergrund stehen und nicht mehr nur die erbrachten Stunden.

  • Höhere Produktivität: Einige Arbeitnehmer haben in den frühen Morgenstunden ihre produktivste Phase und können sich hier am besten konzentrieren. Andere wiederum können nicht vor 11 Uhr vormittags und erst nach dem zweiten Kaffee einen klaren Gedanken fassen. Wie auch immer: Wenn Ihre Mitarbeiter nach dem für sie optimalen Rhythmus arbeiten, sind sie in der Regel auch produktiver. 

  • Gesteigerte Zufriedenheit: Gerade junge Mitarbeiter richten sich ungern nach starren Vorgaben. Indem Sie Ihr Team selbst entscheiden lassen, wie es die Arbeit mit dem eigenen Leben verknüpft, steigern Sie die Motivation, das Engagement und auch die Zufriedenheit Ihrer Team-Mitglieder. Das Ergebnis ist eine geringere Fluktuation und der Aufbau einer attraktiven Arbeitgebermarke.

 

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Welche Risiken birgt das Work-Life-Blending?


Wie jedes andere Arbeitsmodell, hat auch Work-Life-Blending seine Schattenseiten. Hier einige Risiken, die mit diesem neuen Arbeitskonzept verbunden sind:

  • Überforderung: Wenn Arbeit und Freizeit nicht mehr klar voneinander getrennt sind, gibt es auch keinen klassischen Feierabend. Entsprechend schwer ist es, einen Überblick über die eigene Arbeitszeit zu behalten. Unbezahlte Überstunden sind so keine Seltenheit. Und wer vor dem Schlafengehen im Bett noch die Beschwerde-Mail vom Kunden liest, wird kaum erholsamen Schlaf finden. Durch diese Verschmelzung kann ständige Erreichbarkeit auf Dauer die Psyche belasten und zum Burnout führen.

  • Unkonzentriertes Arbeiten: Eigentlich will man dieses eine Projekt endlich fertigstellen. Aber genauso gut könnte man doch eben schnell den Wocheneinkauf erledigen, die Kinder vom Sport abholen oder den Partner anrufen. Work-Life-Blending kann die eigene Konzentration negativ beeinflussen und so die Qualität der Arbeit mindern. 

  • Schwierige Mitarbeiterführung: Wenn Ihr Team zu ganz unterschiedlichen Zeiten an verschiedenen Orten arbeitet, können Sie als Führungskraft den Überblick verlieren. Remote Leadership ist daher eine Fähigkeit, die zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aber auch die Mitarbeiter selbst müssen sich nun besser organisieren, um auf dem Laufenden zu bleiben. 


Wir meinen: Work-Life-Blending ist durchaus eine interessante Form der Arbeitsalltagsgestaltung. Zumindest dann, wenn diese Arbeitsform zu den individuellen Wünschen und Vorstellungen des Einzelnen passt.

Wie funktioniert Work-Life-Blending?


Sie möchten das Work-Life-Blending-Modell für Ihr Unternehmen einführen? Dann sollten Sie und Ihr Team vorab einige Spielregeln aufstellen, an die sich alle halten. Legen Sie klare Ziele fest, die im Rahmen eines realistischen Arbeitsumfangs erreichbar sind. Vereinbaren Sie zudem feste Zeiten, in denen alle Mitarbeiter erreichbar sein müssen und klären Sie ab, wann diese Erreichbarkeit nicht erforderlich ist. So ist es möglich, den Überblick zu behalten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass eine Überarbeitung verhindert wird. Schaffen Sie eine offene Austauschkultur, in der auch das Thema der mentalen Gesundheit nicht tabuisiert wird. So wissen Sie genau, wann gegebenenfalls eine Anpassung der Ziele erforderlich ist. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Sie und Ihre Mitarbeiter den Arbeitstag sauber strukturieren. Phasen mit intensiver Deep Work könnten sich mit einigen Stunden Freizeit abwechseln, in denen dann auch wirklich nicht gearbeitet wird. Wie sich diese Struktur konkret gestaltet, entscheidet jeder individuell. Wichtig ist nur, dass es überhaupt eine Struktur gibt. Verwenden Sie außerdem digitale Projektmanagement-Tools und statten Sie Ihr Team auch im Homeoffice optimal aus. 

 

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Work-Life-Blending: Unsere Beratung für Unternehmen

Bei designfunktion beschäftigen wir uns seit Jahren intensiv mit Themen wie dem Büro der Zukunft oder New Work-Arbeitsmodellen. Unternehmen jeder Größe und Branche vertrauen auf unser Know-how. Gerne beraten wir auch Sie bei der Integration des Work-Life-Blending-Konzepts und verraten Ihnen, wie Sie die Vorteile des Arbeitsmodells nutzen. Denn auch wir haben unsere Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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